Es war eine der kuriosesten Geschichten des letzten Jahres. Der österreichische Rechtsradikale Herbert Fritz wollte beweisen, dass Afghanistan wieder sicher ist und man problemlos von den Taliban verfolgte Menschen dorthin abschieben könne. Letztlich landete er wegen Spionagevorwürfen im "Kerker". Die FPÖ machte mehrmals auf den Fall aufmerksam, schickte schließlich sogar eine Delegation zu den Taliban. Neun Monate später konnte das Außenministerium ihn auf Vermittlung von Katar schließlich befreien – mehr dazu hier.
Bei ihm handelte es sich immerhin um den einzigen Österreicher, der in Afghanistan inhaftiert ist bzw. war. Denn in der Beantwortung einer parlamentarischen Anfrage von Stephanie Krisper (SPÖ) enthüllt Außenminister Alexander Schallenger (ÖVP) nun umfangreiche Informationen über im Ausland inhaftierte österreichische Staatsbürger – genaue Zahlen inklusive.
Grundsätzlich stehen die jeweiligen österreichischen Vertretungen in den Staaten mit allen dort inhaftierten Staatsbürgern direkt oder über Dritte in Kontakt. Allerdings kommt es vor, dass die Betroffenen das nicht wollen. Dieser Umstand, sowie dass nicht immer bekannt gegeben wird, wenn es zu einer Freilassung kommt, macht die Erhebung der genauen Zahlen schwierig. Ein Mal im Jahr holt das Außenministerium jedoch proaktiv Informationen ein.
Das Ministerium versichert weiters, dass jede Person, sobald die Vertretungsbehörde von der Verhaftung erfährt, umfassend betreut und sofort besucht wird. Beim Haftbesuch wird sich nach den Umständen erkundigt, Informationen an die Angehörigen weitergegeben und vieles mehr. "In besonders gelagerten Einzelfällen wird der Wunsch nach Haftverkürzung bzw. Begnadigung auch auf politischer Ebene angesprochen und befreundete Staaten um Unterstützung ersucht."
Mit Stand Ende März 2024 sind dem Außenministerium weltweit 157 österreichische Staatsbürger bekannt, die im Ausland inhaftiert sind. Spitzenreiter nach Ländern sind Deutschland (28 Inhaftierte), die Türkei (15), das Vereinigte Königreich (9) sowie Serbien, Slowakei, Tschechien und USA (jeweils 6).
Am längsten sitzt einer der beiden in den Philippinen Inhaftierten ein, und zwar bereits seit 2006. Ebenfalls bereits seit 17 Jahren hinter Gittern sind ein Österreicher in Australien und einer in Kenia.