Tierschutz Austria

Entlastung der Tierheime – Rassenlisten müssen weg

Zuerst der schreckliche Fall Ansfelden und danach "Elmo" sorgten für erneute Debatten bezüglich der Listenhunde in Österreich. Tierheime stöhnen.

Heute Tierisch
Entlastung der Tierheime – Rassenlisten müssen weg
Keine Rasse ist "böser" als andere.
(Symbolbild) Getty Images

2023 war ein aufreibendes Jahr für die Hunderasse American Staffordshire Terrier in Oberösterreich. Anfang September ereignete sich der schreckliche Tierquälerei-Fall in Ansfelden, wo 44 stark misshandelte, im eigenen Kot und Urin gehaltene Hunde aus einem Kellerverlies behördlich beschlagnahmt wurden. Nur ein Monat später biss "Elmo" mithilfe seiner Rudeldamen eine Joggerin am Feldweg in der Gemeinde Naarn tot. Tierschützer befürchteten natürlich das Schlimmste, denn eine politischer Verschärfung der "Liste" führt unweigerlich zu vollen Tierheimen

Kein Hund ist "böse"

"Angesicht der aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisse zum Zusammenhang von Verhalten und Genetik einzelner Hunderassen ist die Ineffektivität der Listenregelungen nicht verwunderlich: Bei einer der umfangreichsten Studien zu diesem Thema wurden über 13.000 Hunde von 31 Rassen mittels Wesenstests evaluiert. Nicht nur wurden große Unterschiede zwischen Individuen innerhalb einer Rasse gefunden, es konnte auch keine Beziehung zwischen rassetypischem Verhalten und der ursprünglichen Gebrauchsfunktion, also beispielsweise der Bewachung des Hofs oder dem Einsatz bei Hundekämpfen, festgestellt werden. Eine topaktuelle Studie von 2022 fand sogar heraus, das nur 9 Prozent des Verhaltens eines Hundes durch seine Rasse bestimmt wird", informiert MMag Dr. Madeleine Petrovic, Präsidentin von Tierschutz Austria. 

Listenregelung ist völlig ineffektiv!

Keine Reduktion von Beißvorfällen

"Die gepriesene Notwendigkeit von Rasselisten ist weit von der Realität entfernt. Die große Bandbreite an Rassen, die scheinbar willkürlich mancherorts verboten sind, in anderen, teils direkt angrenzenden Gebieten, aber ohne Auflagen erlaubt sind, hat erwartungsgemäß nicht zu einer Reduktion von Beißvorfällen geführt. Daher ist es Zeit, die Ursache für Beißvorfälle nicht länger in der Genetik, sondern bei Erziehungspraktiken, Zucht und Sozialisation zu suchen. Hier ist die Politik gefordert, in Zusammenarbeit mit Experten endlich gute Gesetze im Sinne der Tiere und der Menschen zu erarbeiten", so Petrovic weiter.

Hunde, wie jene aus Ansfelden können unmöglich binnen eines Monats vermittelt werden
Madeleine Petrovic
Präsidentin, Tierschutz Austria

Aufgrund diverser Vorurteile und solcher Fälle landen viele Hunde immer wieder in Tierheimen. Besonders für kleinere Tierheime eine große Herausforderung. Aber auch Österreichs größtes Tierheim in Vösendorf arbeitet an seinen Kapazitätsgrenzen. "Das Tierschutzhaus Vösendorf hat einen Teil der Hunde übernommen und hat wenigstens einen Monat der Behandlungs- und Betreuungskosten abgegolten erhalten. Dass das nicht annähernd die Kosten deckt und dass solche Hunde unmöglich binnen eines Monats vermittelt werden können, ist klar.

Regierung verlässt sich permanent auf die Tierschutzorganisationen.

Das Tierschutzgesetz ist ein Bundesgesetz, die Tierheime sind Landessache und die schrecklichen Fälle von Animal Hoarding, von solchen Horror Haltungen wie ins Ansfelden, mehren sich. Niemand koordiniert die Zahl der Tierheim-Plätze, die Finanzierung ist bundesweit ganz unterschiedlich und alle Tierheime sind tendenziell überlastet. Immer wieder bekommt unser Tierheim in Vösendorf Hilferufe der Amtstierärzte aus ganz Österreich und wir versuchen zu helfen, solange es möglich ist - ohne dass wir einen Cent an Subventionen bekommen. Ansfelden sollte ein Anstoß sein, endlich die Tierheime in die politischen Bewertungen und Entscheidungen einzubinden. Tierschutz sollte nicht länger ein vernachlässigtes Kapitel der Politik sein. Die Regierung sollte sich nicht permanent auf den Goodwill der Tierschutzorganisationen verlassen", fordert die Tierschützerin.

    Noch vier wunderschöne Hündinnen der Rasse "American Staffordshire Terrier" und ein Jungtier warten am Tierschutzhof Pfotenhilfe auf neue, liebevolle Besitzer.
    Noch vier wunderschöne Hündinnen der Rasse "American Staffordshire Terrier" und ein Jungtier warten am Tierschutzhof Pfotenhilfe auf neue, liebevolle Besitzer.
    ©Pfotenhilfe

    Wie geht es den Folterkeller-Hunden? 

    "Wir haben mit ihnen ein ganz sanftes Training gestartet. Bei vielen mussten unsere Trainer und Pfleger bei null anfangen. Das bedeutet, Brustgeschirr anziehen, Beißkorb anlegen, Leinentraining und ganz zaghafte Versuche sie wieder mit anderen Hunden vertraut zu machen. Bei manchen funktioniert das schneller, bei manchen noch nicht. Aber unser oberstes Credo ist: Niemals Druck, Zwang oder Gewalt. Jeder hat sein eigens Tempo, das wir respektieren und wir gehen ganz behutsam vor, mit viel Aufmerksamkeit, Kommunikation und vor allem liebevoller Zuwendung. Wir machen ihnen das Leben bei uns so angenehm wie möglich. Und wer weiß – vielleicht findet der ein oder andere ja tatsächlich auch ein liebevolles Für-immer-Zuhause", so Petrovic hoffnungsvoll. 

      In diesem Käfig musste "Tartuffel" sein Dasein fristen - bis zum nächsten Kampf. 
      In diesem Käfig musste "Tartuffel" sein Dasein fristen - bis zum nächsten Kampf.
      ©Schabenreith Tierparadies
      red
      Akt.