Zuletzt waren die wichtigsten Motoren-Komponenten wie der Verbrenner, der Turbolader, das MGU-H und das MGU-K auf jeweils drei Einheiten pro Saison reduziert. Sollte ein vierter Motor im Boliden verbaut werden, hatte dies eine Startplatz-Strafe zur Folge. Mit genau dieser Regelung ist die neue Formel-1-Saison vor bald zwei Monaten gestartet. Doch dieses Reglement wurde nun gekippt.
In der Sitzung einigten sich alle Teams am Dienstag auf die überraschende Erweiterung der Motorenkomponenten, pro Saison dürfen nun vier Einheiten verbaut werden. Diese Regeländerung ist ab sofort gültig, obwohl bereits drei Saisonrennen absolviert wurden. Damit ist aber klar, dass alle zehn Teams zugestimmt haben. Die Anhebung gilt nun für den Verbrennungsmotor, Turbolader, MGU-H und MGU-K, nicht allerdings für Batterie und Steuergerät (jeweils zwei), sowie die Auspuffanlage (maximal acht pro Saison).
Die Gründe für die plötzliche Anhebung bleiben aber offen, wurden nicht mitgeteilt. Gut möglich, dass dies in Zusammenhang mit der Einführung eines eigenen Sprint-Qualifyings, das bereits in Baku seine Premiere feiert, ist. Künftig gibt es an den sechs Wochenenden mit einem Sprintrennen nur noch eine Trainingssession am Freitagvormittag. Am Freitagnachmittag steigt dann das Qualifying für den Großen Preis am Sonntag, während der Samstag künftig komplett dem Sprint verschrieben ist. Zunächst mit einem Qualifying statt des sportlich wertlosen Trainings am Samstagvormittag, gefolgt vom eigentlichen Kurz-Rennen über 100 Kilometer, das nun nicht mehr die Basis für die Startaufstellung am Sonntag bildet. Die Erhöhung der erlaubten Motorenkomponentenzahl könnte die Reaktion auf die sechs weiteren Qualifyings sein, die nun ausgetragen werden.
Fakt ist jedenfalls: Mercedes-Pilot George Russell in Australien und Ferrari-Ass Charles Leclerc in Bahrain haben bereits Motorschäden erlitten, deshalb auf weitere Komponenten zurückgegriffen. Der Monegasse kassierte darüber hinaus bereits eine Startplatz-Strafe in Dschidda, weil er seine schon dritte Steuereinheit einbauen lassen musste. Nur Alpine ist bisher von Motoren-Problemen verschont geblieben.
Die Erhöhung der Motorenkomponenten könnte jedenfalls eine Auswirkung auf die WM-Entscheidung haben, denn nun muss ein Motor im Schnitt nur noch sechs Wochenenden halten, so könnten Piloten ohne Strafversetzung durchkommen. So tauschte etwa Weltmeister Max Verstappen in der letzten Saison beim Grand Prix von Spa zum vierten Mal Motorkomponenten und wurde strafversetzt. Der Niederländer konnte das Rennen trotzdem gewinnen.