Wien

Enttarnter Putin-Agent kassiert Sozialhilfe in Wien

In Wien wurde ein Diplomaten-Sohn als Putin-Agent enttarnt. Er hat keinen Job, aber mehrere Immobilien – und kassierte Sozialhilfe in Österreich.

Wladimir Putins Agent war offiziell häufig arbeitslos und soll deshalb in Österreich Sozialhilfe kassiert haben.
Wladimir Putins Agent war offiziell häufig arbeitslos und soll deshalb in Österreich Sozialhilfe kassiert haben.
REUTERS, picturedesk.com

Paukenschlag am Montag in der Bundeshauptstadt. Wie bekannt wurde, hat der heimische Staatsschutz (DSN) einen russischen Geheimagenten in Wien ausgeforscht und hochgenommen. Bei den Hausdurchsuchungen unter anderem in einer Immobilie nahe dem Naturparadies Lobau waren Elitepolizisten der Cobra im Einsatz. Das Innenministerium bestätigte einen entsprechenden Bericht der "Kronen Zeitung".

Der Verdächtige ist der Sohn eines ehemaligen russischen Nachrichtendienstmitarbeiters, der in seiner aktiven Dienstzeit als Diplomat in Deutschland und Österreich stationiert war. Selbst ist der 39-Jährige griechischer Staatsbürger, soll aber in Russland eine militärische Spezialausbildung erhalten haben – aufgrund dieser Gefahrenlage wurden für den Zugriff auch die Cobra-Beamten angefordert. 

Mehrere Jahre soll der Diplomaten-Sohn als Putin-Agent in Wien Spionage zum Nachteil Österreichs betrieben haben. Er stand im Kontakt mit Diplomaten und Nachrichtendienstmitarbeitern aus verschiedenen Ländern und reiste kurz vor und während Invasion in der Ukraine nach Moskau. Dort dürfte er dem Kreml Einschätzungen zu den zu erwartenden Reaktionen Österreichs und der EU auf den Einmarsch geliefert haben.

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Viele Reisen, Immobilien – und Sozialhilfe

Überhaupt war der mutmaßliche Russen-Spion viel unterwegs. Von 2018 bis Anfang 2022 hatte er insgesamt 65 Reisen ins innereuropäische Ausland sowie nach Russland, Belarus, die Türkei und Georgien antreten. Gleichzeitig konnte er auch mehrere Liegenschaften in Wien, in Russland und in Griechenland erwerben, ohne einem offiziell erkennbaren Job nachzugehen.

Besonders bizarr: Während er Österreich ausspioniert haben soll, lag er dem heimischen Steuerzahler auch noch auf der Tasche. Weil der Verdächtige laut Innenministerium abseits seiner offensichtlich lukrativ vergüteten Spionage "kaum einer Beschäftigung" nachging und nachgeht, hatte er hierzulande Anspruch auf "geringe Sozialleistungen", die er offenbar ebenso kassierte.

Geheime Codes für Treffen in Wien

"Für den Austausch von Informationen wurden konspirative Örtlichkeiten im Stadtgebiet von Wien benutzt", so das Innenministerium weiter. Dabei sei auch diplomatisches Personal Russlands im engen zeitlichen und örtlichen Zusammenhang zu diesen Örtlichkeiten festgestellt worden.

Ganz wie in Agenten-Thriller aus Hollywood waren die "Übergabeorte durch Vereinbarungen oder meist unscheinbare Markierungen nur dem Absender und dem Empfänger bekannt bzw. erkennbar und dadurch vor der Entdeckung durch Nichteingeweihte geschützt."

Spionage-Ausrüstung sichergestellt

Bei der Durchsuchung von Liegenschaften des Verdächtigen Ende März wurden unter anderem ein Signaldetektor, der Geräte zum Abhören und versteckte Kameras erkennen kann, sowie ein Splitterschutzanzug vorgefunden. Es wurden unter anderem Mobiltelefone, Laptops und Tablets sichergestellt, auf denen in Summe zehn Millionen Dateien ausgewertet wurden.

Die DSN hat der Staatsanwaltschaft Wien am 15. Dezember 2022 den Abschlussbericht vorgelegt. Der 39-jährige Verdächtige befindet sich derzeit auf freiem Fuß, die weiteren Verfügungen werden von der Justiz angeordnet.

Die Unterstützung eines geheimen Nachrichtendienstes zum Nachteil Österreichs ist nach § 256 Strafgesetzbuch mit einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu fünf Jahren bedroht.

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