Österreich

ER ergaunerte von alten Damen 168.000 Euro

Heute Redaktion
14.09.2021, 16:23

Rund 168.000 Euro hat eine bundesweit agierende Bande in Oberösterreich alleine im Monat Mai ergaunert. Das Landeskriminalamt hat nun ein führendes Mitglied der Gruppierung - einen 58-jährigen Polen - festgenommen. Er soll an mindestens sechs vollendeten Taten und mehr als 50 Versuchen beteiligt gewesen sein.

Die Bande, der der 58-Jährige angehört, ist nach Auskunft der Polizei im gesamten deutschsprachigen Raum aktiv und perfekt organisiert: In Polen wird eine Art Call-Center betrieben, von dem aus die Opfer angerufen und die Täter an Ort und Stelle benachrichtigt werden, erklärte ein Ermittler. Die Fahnder haben mehrere weitere Personen im Visier und hoffen nach der Festnahme des Verdächtigen auf Hinweise.

"Das geht blitzschnell", beschrieb der Polizist die Vorgehensweise der Gruppierung. Mithilfe von Telefon-CDs werden potenzielle Opfer - meist Frauen mit altklingenden Vornamen - ausfindig gemacht und angerufen. Beispielsweise Anna, Annemarie, Berta oder Cäcilia stünden dabei hoch im Kurs, so der Ermittler.

Betrüger erschleichen Vertrauen

Die Betrüger geben sich als Verwandte aus, erlangen das Vertrauen der Pensionisten und bitten sie um Geld. "Hat jemand angebissen, wird umgehend der Komplize vor Ort angerufen, um die Beute abzuholen", erzählte der Beamte. In Steyr hätten die Täter im Dezember vom ersten Telefonat bis zur Übergabe gerade einmal 13 Minuten gebraucht.

Alleine in Oberösterreich wurden seit Jahresbeginn rund 700 Betrugsfälle mit dem Neffentrick angezeigt. Die Dunkelziffer liege weit höher, sagte der Fahnder, der Opfer dringend ersucht, sich zu melden. Die polnische Polizei zeige sich nur wenig kooperativ und argumentiere, dass Telefonieren alleine nicht strafbar sei.

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Der Neffentrick - so funktioniert er

Der Neffentrick ist seit Jahren eine beliebte Betrugsmasche, die Fälle haben trotz eindringlicher Warnungen der Sicherheitsbehörden in den vergangenen Monaten stark zugenommen. Meist werden nach einem Anruf unter einem Vorwand Wohnungen betagter Menschen aufgesucht und die Opfer um ihr Erspartes oder Schmuck erleichtert. Die Polizei rät dazu, Telefonate, in denen um finanzielle Hilfe gebeten wird, sofort abzubrechen.

Das Telefon läutet - am anderen Ende der Leitung ein Anrufer, der keinen Namen nennt oder eine falsche Identität angibt. Betagte Opfer gehen häufig davon aus, dass es sich um einen Freund oder Verwandten handelt. Fragt der Betroffene nach, wer da spreche, wird vom Betrüger oft vorwurfsvoll die Frage vorgestellt, ob man ihn nicht erkenne. Im weiteren Verlauf des Gesprächs bringt der vermeintliche Bekannte eine angebliche finanzielle Notlage ins Spiel und bittet um Bares. Erhält der Täter eine Zusage, gibt er vor, wegen terminlicher Probleme einen Freund vorbeizuschicken, um das Geld zu holen. Der Komplize macht sich in der Folge nicht selten mit dem gesamten Ersparten des Opfers aus dem Staub.

Die Polizei empfiehlt, sich bei verdächtigen Telefonaten auf keine Diskussionen einzulassen und dem Gegenüber entschieden klar zu machen, dass man weder auf Forderungen noch Angebote eingeht. Um Gewissheit zu haben, dass es sich tatsächlich um einen Freund oder Verwandten gehandelt hat, sollte man diesen unter der Nummer kontaktieren, die man auch sonst verwendet. Die Exekutive appelliert an Angerufene, auf einem persönlichen Treffen zu bestehen und sich nicht mit einer Vertretung zufriedenzugeben.

Es wird davor gewarnt, fremde Personen in die eigenen vier Wände zu lassen und stattdessen mit ihnen über die Gegensprechanlage zu kommunizieren. Schafft es jemand bis an die Wohnungstür, sollte die Sicherungskette verwendet werden. Sich das Aussehen des Betrügers genau einzuprägen ist für eine spätere Personsbeschreibung wichtig. Sofern möglich sollten auch Kennzeichen, Marke, Modell und Farbe eines vermutlichen Täterfahrzeugs notiert werden. Im Verdachtsfall muss umgehend unter Telefon 133 Anzeige erstattet werden.

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