Exakt 1.128 Wissenschafter haben einen Aufruf gegen Gewalt in den Kurdengebieten unterzeichnet - jetzt nimmt die Türkei die ersten von ihnen fest. In einer 30-minütigen Schimpftirade wirft Präsident Erdogan den Forschern "Terrorpropaganda" vor.
den Forschern "Terrorpropaganda" vor.
Intellektuelle aus der Türkei und aus einigen anderen Ländern hatten mit Worten gegen das gewaltsame Vorgehen der türkischen Sicherheitskräfte im Südosten des Landes gegen die kurdische PKK protestiert.
Insgesamt 1128 Wissenschaftler von 89 Universitäten unterzeichneten einen öffentlichen Aufruf, in dem sie von der Regierung verlangen, die Gewalt in der überwiegend von Kurden bewohnten Region zu beenden und die im Sommer abgebrochenen Friedensverhandlungen wiederaufzunehmen.
In dem Papier kritisieren sie das Vorrücken von Polizei und Militär gegen die als Terrororganisation eingestufte PKK, weil darunter die gesamte Bevölkerung leide. "Der türkische Staat verurteilt seine Bürger in Sur, Silvan, Nusaybin, Cizre und vielen weiteren Orten mit wochenlangen Ausgangssperren zum Verhungern und Ausdursten", heißt es in dem eine Seite umfassenden Aufruf. Der Regierung werden Menschenrechtsverletzungen sowie eine "Vernichtungs- und Vertreibungspolitik" vorgeworfen.
Festnahmen, Hausdurchsuchungen
Jetzt wurden 14 Unterzeichner von der Uni Kocaeli im Nordwesten der Türkei unter dem Vorwurf der "Terrorpropaganda" festgenommen. Die Polizei durchsuchte am Freitagmorgen ihre Häuser. Nach Angaben der zuständigen Staatsanwaltschaft wurden Ermittlungen gegen 21 Personen in dieser Sache aufgenommen. Die sieben nicht in Gewahrsam genommenen Personen würden ebenfalls demnächst festgenommen, berichtet die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu.
Die Unterzeichner hätten zudem gegen einen Paragrafen im Strafgesetzbuch verstoßen, wonach es strafbar sei, die türkische Nation, die türkische Republik oder das Parlament der Türkei sowie die Gerichte des Landes zu beleidigen.
Erdogan schimpfte eine halbe Stunde lang
Am Mittwoch hatte Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan die Unterzeichner scharf kritisiert. Die Menschenrechtsverletzungen würden nicht vom türkischen Staat, sondern von der PKK verübt, erklärte er bei einer Versammlung von türkischen Diplomaten.