Denkzettel für Erdogan bei Wahl in der Türkei

Staatspräsident Erdogan hatte die Kommunalwahlgänge zur Überlebensfrage hochstilisiert. Tatsächlich muss seine AKP herbe Verluste hinnehmen.

Die Wahl begann blutig: Zwei Beobachter protestierten im ostanatolischen Malatya gegen Wahlbetrug und wurden sofort erschossen. Der Schütze sei festgenommen worden, hieß es. Außerdem kam es im Land zu mehreren Messerstechereien und Massenschlägereien. 553.000 Polizisten waren im Einsatz.

Rund 57 Millionen Bürger wählten in 81 Provinzen Bürgermeister und Gemeinderäte, für Erdogan eine Schicksalswahl. Türkeis Wirtschaft kränkelt, die Lira ist instabil, die Inflation hoch. Strom und Lebensmittel sind kaum bezahlbar.

Gegen 22 Uhr rief er sich zum Wahlsieger aus, seine AKP holte landesweit 45 Prozent der Stimmen, ähnlich viel wie 2014. Insgesamt soll die islamistische Partei die Bürgermeisterämter in 16 Großstädten (2014 waren es noch 18) geholt haben.

Zitterpartie Istanbul und Ankara

Aber: In Ankara steht die AKP nach Auszählung fast aller Stimmen vor der Niederlage. Hier lag Mansur Yavas von der Oppositionspartei CHP mit 50,9 Prozent fast vier Punkte vor dem Kandidaten der AKP.

Knapp fällt das Ergebnis in der Wirtschaftsmetropole Istanbul aus: Hier kommt der AKP-Kandidat Binali Yildirim TV-Sendern zufolge nur auf einen Vorsprung von 4.000 Stimmen – bei insgesamt acht Millionen abgegebenen Wahlzetteln. Sowohl die AKP als auch die oppositionelle Mitte-Links-Partei CHP reklamieren dort den Sieg für sich.

Beide Großstädte werden seit 20 Jahren von islamisch-konservativen Bürgermeistern regiert.

(red)

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