Welt

Erdogan räumt auf: Schon mehr als 6.000 Festnahmen

Heute Redaktion
14.09.2021, 01:36

Recep Erdogan geht aus dem Putschversuch in der Nacht auf Samstag gestärkt hervor. Am Wochenende ließ der türkische Präsident Tausende mutmaßliche Putschisten festnehmen.

Recep Erdogan geht aus dem Putschversuch in der Nacht auf Samstag gestärkt hervor. Am Wochenende ließ der türkische Präsident Tausende mutmaßliche Putschisten und deren Unterstützer festnehmen.
Beobachter werfen Erdogan vor, er würde den Putsch dazu benutzen, seine Kritiker auszuschalten. Tatsächlich ging der Präsident am Samstag und Sonntag mit großer Härte gegen mutmaßliche Putschisten vor und bezeichnete den Aufstand als "Geschenk Gottes". 

Bei der angekündigten "Säuberung" ließ Erdogan mehr als 6.000 Personen festnehmen - und es sollen noch mehr werden, kündigte Justizminister Bozdag an. Den Festgenommenen - Soldaten, Generäle, Richter, Staatsanwälte - wird Unterstützung des Putschversuchs vorgeworfen. Außerdem ließ Erdogan mehr als ein Fünftel aller Richter in der Türkei absetzen.

Todesstrafe für Putschisten?

Recep Erdogan brachte am Samstag wie schon sein Ministerpräsident die Todesstrafe ins Spiel. Diese ist in der Verfassung nicht vorgesehen. Über das Thema könne im Parlament aber gesprochen werden, so der Präsident vor Anhängern in Istanbul. Premier Binali Yildirim hatte angedeutet, die Wiedereinführung der Todesstrafe solle sicherstellen, dass sich die Szenen von der Nacht auf Samstag nicht wiederholen.

Erdogan beschuldigt Prediger Gülen

Für die türkische Regierung war der Schuldige nach den blutigen Szenen von Samstagnacht schnell gefunden: Der islamische Prediger Fethullah Gülen. Seine Anhänger hätten den Coup geplant, so Erdogan. Gülen, ein einstiger Erdogan-Verbündeter, lebt im US-Exil. Der türkische Präsident forderte im Gespräch mit seinem US-Amtskollegen Barack Obama persönlich die Auslieferung des Predigers. Außenminister John Kerry hatte schon zuvor angekündigt, ein derartiges Ansuchen zu prüfen, sollte es gestellt werden.

Hunderte Tote

Bei dem Aufstand kamen in der Nacht auf Samstag 265 Menschen ums Leben; davon 104 Putschisten. Nahezu 1.500 Personen wurden verletzt. Teile der Armee hatten kurz vor Mitternacht versucht, die Macht an sich zu reißen. Kampfflugzeuge und Hubschrauber kreisten über Ankara und beschossen das Parlament. In Istanbul riegelten Soldaten die Brücken über den Bosporus ab. Die Putschisten konnten auch das Staatsfernsehen und CNN Türk in ihre Gewalt bringen, bevor der Putsch schließlich durch Polizei, regierungstreue Sicherheitskräfte und Zivilisten abgewendet wurde.

Zivile Opfer, Lynchjustiz

Erdogan hatte die Bevölkerung noch in der Nacht aufgerufen, sich den Soldaten in den Weg zu stellen. Dem kamen Tausende nach. Videos in sozialen Netzwerken zeigen, dass manche Erdogan-Anhänger diesen Entschluss mit dem Leben bezahlten. An mindestens zwei Orten sind Panzer der Armee in die Menge gerast und haben Zivilisten überrollt. Teile der Zivilbevölkerung nahmen am Samstag blutige Rache. Auf Videos sind Misshandlungen von Soldaten und Lynchjustiz zu sehen.

Der Liveticker vom Putschversuch: Jetzt Nachlesen!

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