Stell dir vor, du hättest dein gesamtes Jahreseinkommen bereits am 30. Juli aufgebraucht. Genau diese Situation beschreibt der sogenannte Erdüberlastungstag - nur eben für den ganzen Planeten.
An diesem Donnerstag hat die Menschheit rechnerisch bereits das jährliche Budget an Ressourcen wie Fischbestände, landwirtschaftliche Flächen und CO2-Aufnahme aufgebraucht, die die Erde innerhalb eines Jahres regenerieren kann.
Das hat die Non-Profit-Organisation Global Footprint Network errechnet, meldet Der Spiegel. Sie ermittelt seit 2006 das Datum, an dem das Rohstoffkonto der Welt leer ist.
"Um den aktuellen weltweiten Verbrauch zu decken, wären rund 1,73 Erden nötig", warnt die Umweltorganisation WWF. Die Folgen sind dramatisch: Entwaldung, degradierte Böden, Verlust biologischer Vielfalt und steigende CO2-Konzentration in der Atmosphäre.
Der Erdüberlastungstag hat sich in den vergangenen Jahren immer weiter nach vorne verschoben. 1972 lag er noch am 10. Dezember, 1990 war es Mitte Oktober und 2017 bereits Anfang August.
Für Deutschland lag der nationale Überlastungstag heuer schon am 10. Mai. Rund 16 Tonnen Primärrohstoffe verbraucht jeder Mensch hierzulande pro Jahr - mehr als doppelt so viel, wie für ökologisch vertretbar gilt.
Die EU hat erste Schritte unternommen: Seit dem 19. Juli dürfen große Unternehmen überschüssige Kleidung nicht mehr wegwerfen, sondern sollen sie wiederverwenden oder recyceln. Zudem wurden neue Recyclingquoten für Verpackungen beschlossen: 75 Prozent ab 2028, 80 Prozent ab 2030.
Kritiker sehen in den neuen Regelungen allerdings wenig Verbindlichkeit. Umweltverbände bemängeln, es gebe weder feste Quoten noch einklagbare Pflichten. Die Hoffnung bleibt, dass der Erdüberlastungstag durch die neuen Regeln zumindest wieder in den Herbst rückt.