Szene

Erich Lessing stellt seine Kokoschka-Werke aus

Heute Redaktion
14.09.2021, 15:39

Erich Lessing (90), einer der bedeutendsten österreichischen Fotografen, zeigt in seiner Galerie in der Wiener Weihburggasse ab 4. November seine Fotos, die er vom Maler Oskar Kokoschka gemacht hat. Die Fotos zeigen den größten Expressionisten teils sehr privat, teils während seiner Arbeiten im Atelier oder in der Salzburger "Schule des Sehens", die Kokoschka in den 50er Jahren gründete, und wo er seine Studenten unterrichtete.

zeigt in seiner Galerie ab 4. November seine Fotos, die er vom Maler Oskar Kokoschka aufegenommen hat. Die Fotos zeigen den größten Expressionisten teils sehr privat, teils während seiner Arbeiten im Atelier oder in der Salzburger "Schule des Sehens", die Kokoschka in den 50er Jahren gründete, und wo er seine Studenten unterrichtete.

Es sind wichtige Zeitdokumente, die ab 4. November in Wien ausgestellt werden. Die ausgestellten schwarz-weiß-Fotos zeigen Kokoschka in seiner expressiven Art: immer in Bewegung, immer im Dialog befindlich, den er meistens als Monolog führte, umkreist von seinen Studenten und Zuhörern.

Heute.at traf den Fotografen Erich Lessing in seiner vor zwei Jahren eröffneten Galerie in der Wiener Weihburggasse und sprach mit ihm über seine Beziehung zu Kokoschka.

Heute.at: Herr Lessing, wo haben Sie Kokoschka kennengerlernt?

Erich Lessing: Wir haben uns in der "Schule des Sehens" in Salzburg getroffen, wo Kokoschka unterrichtete. Ich war mit einem Schüler von ihm befreundet, Rudolf Kortokrax. Er war Assistent in der Schule des Sehens.

Heute.at: Welche Beziehung hatten Sie zu Kokoschka, wie würden Sie ihn beschreiben?

Lessing: Wir hatten viele Gemeinsamkeiten, aber auch viele Streitpunkte. Er war sehr expressiv. Es war schwer, fast unmöglich, mit ihm einen Dialog zu führen. Er hatte ganz definitive Meinungen, vor allem was das politische Leben betraf. Man durfte von seinen Meinungen nicht abweichen. Er war ungeheuer expressiv. Stand immer am Podium, in einer zauberhaften Grazie.

Heute.at: Die Nationalsozialisten diffamierten Kokoschka als "Entartetster unter den Entarteten", er galt als "Kunstfeind Nummer Eins". Wie hat ihn das ihrer Meinung nach geprägt?

Lessing: Kokoschka war sicher der wichtigste Vertreter seiner Kunstrichtung in dieser Zeit. Wie dieser Stempel sein Seelenleben geprägt hat, das kann ich nicht beantworten. Ich würde eher sagen, dass er seine Umgebung geprägt hat, also umgekehrt. Er ist immer seinen Weg gegangen, hat ihn auch immer gefunden. Da war diese ungeheure Beziehung zu Alma Maler, dann auch seine späten Blumenbilder. Mit seiner Lebens- und Farbauffassung stand er ja lange alleine auf seiner Höhe. Seinen Landschaftsbildern und Porträts kommt keiner nahe. Als Amateure haben manche vielleicht Teile von ihm angenommen. Sein Schaffen prägte einige Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts. Immer stand er als kritischer Betrachter da. Seine wirkliche Größe zeigte sich dann erst nach seinem Tod.

Heute.at: Lassen Sie in Ihrer Kokoschka-Ausstellung auch Ihre Evokationen einfließen, wie bei Ihrer Arbeit über Gustav Klimt?

Lessing: Bei Klimt habe ich ausprobiert, ob dieser Maler fotografisch übersetzbar ist. Dabei bin ich zu dem Schluss gekkommen, dass er das nicht ist. Bei Kokoschka war ich ja direkt dabei. Ich war zum Beispiel dabei, wie er die  Ausstattung für die Mozart-Oper in Salzburg vorbereitet hat. Ich bin damals als Bote mit den Skizzen nach Villeneuve gereist. Ich habe ihm viel zugeschaut und auch zugehört. Er war ja nicht nur ein guter Maler, sondern auch ein guter Erzähler. Ein Teilnehmer des politischen Lebens. Zur Emigration hat ihn niemand gezwungen damals. Er wollte einfach nicht unter diesem barbarischen Regime leben. Er wollte sich auch nicht arrangieren. Er hatte eine Meinung über das tägliche Leben und die Politik der Barbaren. Er, so wie auch Wotruba, haben sich das Urtümliche im Stadtleben bewahrt.

Heute.at: Herr Lessing, Sie haben heuer das Was bedeutet diese Auszeichnung für Sie?

Lessing: Erster Klasse, wohlgemerkt (lacht). Das hat Herr Mailath-Pokorny extra hervorgehoben, als er mir telefonisch gratulierte. Einmal hat Kreisky zu einer Journalistin gesagt: Liebe junge Kollegin, Sie wissen gar nicht, wie viele Schmeicheleien ein Mann verträgt. Im Ernst: Ich sehe die Auszeichnung als Symbol für meinen Berufsstand. Natürlich sind Journalisten auch wichtig, weil sie Dinge aufschreiben. Aber es ist wichtig für das Selbstbewusstsein der Pressefotografen, dass einer von ihnen stellvertretend eine solche Auszeichnung erhält.

Heute.at: Sie sind jetzt 90 Jahre alt. Was haben sie noch vor?

Lessing: Es fällt einem ununterbrochen etwas Neues ein. Gold ist ein großes Thema. Goldgeräte. Wunderschöne Goldgeräte. Goldgräberfelder. Goldornmamente- und Gefäße usw. Wie kann man diese ganzen Goldarbeiten katalogisieren vom Christentum weg bis heute? Vom Norden, also Skandinavien bis Persien und in den Ural.

Oskar Kokoschka

Fotografien von Erich Lessing

Fotogalerie

Weihburggasse 22

1010 Wien

4. November 2013 bis 27. Jänner 2014

Maria Jelenko

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