Die heutige Premiere von Richard Wagners "Tristan und Isolde" an der Staatsoper wird mit Spannung erwartet. Nicht nur, weil es eine Neuproduktion des spanischen Starregisseurs Calixto Bieito ist, sondern auch, weil es ja bei der Generalprobe am Montag zu einer für die Staatsoper ungewöhnlichen Situation kam: "Es gab nach dem ersten Akt einige Buh-Rufe", sagt Staatsoperndirektor Bogdan Roščić, "und ich habe mich am Beginn des zweiten Aktes an das Publikum gewandt."
Die "Presse" berichtete davon, dass Roščić Buh-Rufe verbieten und das Publikum des Saals verweisen wollte. Dem widerspricht der Direktor. Er will dem Publikum gesagt haben, dass es sich bei der Generalprobe um die letzte Möglichkeit handle, "etwas auszuprobieren, etwas zu korrigieren. Außerdem müssen die Sänger einige der schwersten Rollen der gesamten Literatur singen".
Die Kritik des Publikums hatte sich übrigens auf die Inszenierung bezogen. Verbote sprach Roščić keine aus, gab aber eine Empfehlung ab: "Wenn Sie also diese Produktion ausbuhen wollen, kaufen Sie sich doch lieber eine Karte und gehen in eine Vorstellung."
Geht es nach dem Direktor, dann hat er mit seinem kurzen Auftritt alle Wogen wieder geglättet: "Die Reaktion war viel Applaus und Bravo-Rufe, weil die überwältigende Mehrheit des Publikums dezidiert gegen solche Störungen ist." Ob nun mehr "Bravo" oder mehr "Buh" gerufen wird, wird sich heute ab 17.30 Uhr zeigen, es gibt noch Restkarten.