Haustiere

Erste Hilfe, Part II - Was tue ich in einem Notfall?

Am 13. März haben wir bereits schon einige Tipps von Frau Mag. Elisabeth Baszler weitergeben können. Doch wir sind noch nicht am Ende.

Christine Kaltenecker
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Heute widmen wir uns wieder den Tipps von Frau Mag. Elisabeth Baszler.
Heute widmen wir uns wieder den Tipps von Frau Mag. Elisabeth Baszler.
Getty Images/iStockphoto

Letzte Woche konnten wir bereits erklären, wo man beim Hund den Puls fühlt, oder auch wie gesunde Schleimhäute aussehen. Auch auf die Dringlichkeit diverser Verletzungen oder Krankheiten sind wir eingegangen. Falls du dein Wissen nochmal kurz auffrischen möchtest: Hier geht's zum Artikel.

Magendrehung

Bereits letzte Woche haben wir die gefürchtete Magendrehung kurz angeschnitten. Heute wollen wir näher darauf eingehen, da es sich hier IMMER um einen Notfall handelt. Jeder Hundehalter hat den Begriff bestimmt schon einmal gehört, da hier wirklich "Feuer am Dach" ist und der Hund innerhalb von zwei Stunden auf den Operationstisch gehört. Kannst du das vermeiden? Und wer ist betroffen?

Bei der Magendrehnung "dreht" sich der Magen des Hundes tatsächlich einmal um die eigene Achse. Vor allem Rassen mit einem tiefen Brustkorb sind betroffen, wie Schäferhunde, Doggen, Rottweiler, Dobermänner, Boxer und Bernhardiner. Warum dies passiert, ist bislang nicht gänzlich geklärt. Die Symptome beginnen meist nach dem Fressen - der Bauch des Hundes "gast" auf und er beginnt zu würgen und zu speicheln, ohne tatsächlich zu erbrechen. In diesem Zustand kann er auch kein Wasser mehr behalten und trinkt nicht.

Was kann ich tun?
Bei betroffenen Rassen kann man eine sogenannte "Gastropexie" durchführen. Hier wird bei einem chirurgischen Eingriff der Magen an der Bauchwand befestigt. Dies wird auch nach einer Magendrehnung durchgeführt, um zu vermeiden, dass es wieder passiert.
Immer die Futterschüssel gut waschen. Die Bakterien im Napf beginnen zu gären und können eine Magendrehung begünstigen. Bitte NICHT auf verstellbare Näpfe setzen - der Hund frisst vom Boden!
Vor allem in einem Mehrhundehaushalt Stress während der Fütterung vermeiden. Der Hund soll langsam fressen dürfen, deshalb empfiehlt es sich hier, jeden Hund in einem anderen Zimmer zu füttern.
Kleinere Portionen - bis zu dreimal am Tag - füttern und auch erst, wenn der Hund ruhig ist. Klar, freut er sich über das Fressen, aber es sollte eben nicht konditioniert werden, dass man dem Hund vorher noch 15 Tricks abverlangt.
Welpen und junge Hunde sind sehr selten betroffen. Bei älteren Hunden kommt es häufiger zur Magendrehung, da ihr Bindegewebe natürlich auch nicht mehr so straff ist.

Fremdkörper

Es ist wirklich unglaublich, was schon alles in einem Hundemagen, oder -darm gefunden wurde. Vor allem Welpen kosten gerne alles, was ihnen vor die Schnauze gerät - vom Schaschlikspieß bis zur Duftkerze. Diese Fremdkörper können sich oft wochenlang im Hund befinden, ohne dass er irgendwelche Symptome zeigt.

In der Speiseröhre findet sich meistens etwas bei kleinen und gierigen Hunden. Wenn der Fremdkörper durch den Magen gerutscht ist, kommt es meistens im Dünndarm zum Verschluss. Dies zeigt der Hund dann mit schwallartigem Erbrechen, Unruhe, Hecheln und Bauchweh. Im Enddarm beispielsweise sammeln sich gerne Knochenreste und -splitter an.

Wenn man seinen Hund nicht sein gesamtes Leben mit einem Beisskorb schützen möchte, ist eine Prophylaxe hier wirklich schwierig. Deshalb machen Tierärzte IMMER bei einem Hund, der erbricht und Bauchschmerzen zeigt, ein Röngten oder einen Ultraschall, um Fremdkörper auszuschließen. Oft bekommen wir gar nicht mit, dass plötzlich fünf Legosteine aus dem Kinderzimmer fehlen, oder wir geben der Waschmaschine die schuld, dass wir lauter Einzelstücke der Sockenpaare zum Trocknen aufhängen.

Um so etwas zu vermeiden, kann man als Hundehalter nur eines tun: trainiern, trainieren, trainieren.

Trauma

Auch ein Hund kann in einen Unfall verwickelt werden. Die erste Regel lautet natürlich, dass man zunächst die Menschen am Unfallort stabilisiert - Personenschutz zuerst. Danach bitte darauf achten, dass dich ein verängstigter und verletzter Hund nicht beisst. Mit einem Verband aus dem Erste Hilfe Koffer lässt sich eine Maulschlinge basteln, falls kein Beisskorb verfügbar ist - einfach zweimal über den Schnauze legen und gerade so fest ziehen, dass er im Schmerz nicht schnappen kann.

Kleinere Hunde können einfach auf den Arm genommen werden. Große Hunde bitte auf einer Decke vom Unfallort in Sicherheit tragen. Auch wenn es sich um den eigenen Hund handelt, bitte keine laienhaften Versuche eine "schlackernde" Gliedmaße zu schienen, oder zu stabilisieren. Es ist viel zu schmerzhaft für den Hund und du tust ihm damit keinen Gefallen. Immer sofort zum Tierarzt! 

Wenn es blutet

Bei blutenden Verletzungen wie eingerissenen Krallen, oder Schnittverletzungen am Ballen einfach die Blutung mit einem sauberen Tuch stoppen und ab zum Tierarzt. Erst nach dem Schmerzmanagement, wird die Wunde fachgerecht versorgt, denn auch wenn er es nicht immer zeigen will - dein Hund hat wirklich höllische Schmerzen. Soll der Tierarzt doch "der Buhmann" sein, oder?

Auch bei einem kleinen Hundebiss, der auf den ersten Blick harmlos aussieht, bittet die Expertin um einen Besuch in der Praxis. Es muss nämlich bei jedem Biss die Wunde genau kontrolliert werden, ob eine Wundtasche entstanden ist. Der Zahn des Hundes reißt die Haut auf und manchmal löst sich hier die Oberhaut von der Unterhaut, weshalb man hier eine fachmännische Behandlung durchführen muss.