Nach Klitschko-Interview

Erste Kritik an Selenski – droht der Ukraine-Kollaps?

Schon bald vergehen zwei Jahre seit Ausbruch des Ukraine-Kriegs. Vor dem nahenden Frost-Winter werden kritische Stimmen immer lauter.

Nicolas Kubrak
Erste Kritik an Selenski – droht der Ukraine-Kollaps?
Wolodimir Selenski - hier bei einem Frontbesuch Anfang Oktober 2023.
via REUTERS

Die groß angekündigte ukrainische Frühjahresoffensive brachte keine großen Veränderungen an der Front. Zwar hat man im Süden des Landes einige Erfolge verbucht, im Osten finden nach wie vor heftige Kämpfe bei Awdijiwka und Bachmut statt. Nun droht ein bitterer Winter, und das nicht nur an der Front.

Russland kann Krieg bis 2027 führen

Problematisch für die ukrainische Seite ist vor allem Russlands Spiel auf Zeit, man versuche, das überfallene Nachbarland in einem "Erdrückungskrieg" zu zerstören, analysierte Sicherheitsanalyst Gustav Gressel gegenüber ORF.at. Russland habe Materialreserven, um den Krieg bis 2027 fortzuführen, schließlich sei im kürzlich verabschiedeten Budget für die Jahre 2024 bis 2026 ein Drittel der Finanzmittel für die "Landesverteidigung" veranschlagt.

"Uns kann nichts überraschen"

Diesen Trend bestätigte auch ORF-Reporter in der Ukraine, Christian Wehrschütz, im Ö1-Morgenjournal am Montag. Der Krieg habe sich mittlerweile zu einem Drohnenkrieg entwickelt, es sei der modernste Drohnenkrieg der Geschichte, so der Experte. Sowohl Russland als auch die Ukraine würden vermehrt auf Drohnenentwicklung setzen, jedoch habe hier die russische Seite die Nase vorne. Vor allem die iranisch-russischen Kamikazedrohnen seien "eine riesige Plage" für ukrainische Truppen, sagte Wehrschütz. 

    Wintereinbruch an der Ukraine-Front bei Kupjansk, 27. November 2023: Trotz Eis und Schnee wird weitergekämpft.
    Wintereinbruch an der Ukraine-Front bei Kupjansk, 27. November 2023: Trotz Eis und Schnee wird weitergekämpft.
    IMAGO/ZUMA Wire

    Entsprechend groß sei die Sorge vor einer russischen Offensive im kommenden Winter. Laut dem Kriegsreporter habe die ukrainische Bevölkerung schon so viel erlebt, dass "uns eigentlich nichts mehr überraschen kann", zitierte er einen nicht näher genannten Gesprächspartner.

    Kritik an Selenski immer lauter

    Wehrschütz sprach auch über ein kürzlich erschienenes Interview mit dem Kiewer Bürgermeister Vitali Klitschko, der sich ungewöhnlich offen und vor allem kritisch zeigte. So warf er dem ukrainischen Präsidenten Wolodimir Selenski etwa vor, Fehler gemacht zu haben. Es überrasche ihn nicht, dass Selenskis Popularität sinkt: "Leute sehen, wer effektiv ist und wer nicht. Selenski zahlt für Fehler, die er gemacht hat." 

    "Das Bild der totalen Einheit war von Anfang an falsch", fügte Wehrschütz hinzu. So habe man Vorschläge zur Bildung einer Regierung der nationalen Einheit mit Oppositionsparteien zu Kriegsbeginn konsequent abgelehnt. Mittlerweile würden die Opposition beklagen, keinen Zugang zu Medien zu haben, Parlamentssitzungen würden nur nachts auf unbedeutenden Kanälen übertragen. Der jüngste Aufreger war die verweigerte Ausreise für Ex-Präsident Petro Poroschenko, der sich angeblich mit dem ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orban treffen wollte.

    Alle Fotos: Das Interview mit Vitali Klitschko

      Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko stellt sich <a rel="nofollow" data-li-document-ref="120007664" href="https://www.heute.at/s/-120007664">im Gespräch mit Ann Guenter</a> Fragen zu Korruption oder Fehlern im Krieg.
      Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko stellt sich im Gespräch mit Ann Guenter Fragen zu Korruption oder Fehlern im Krieg.
      20 Minuten / Ann Guenter

      "Das ist kein gutes Zeichen"

      Wehrschütz zitierte außerdem eine Aussage Klitschkos in einem "Spiegel"-Interview, in dem Kiews Bürgermeister sagte, es könne der Punkt kommen, an dem sich die Ukraine nicht mehr von Russland unterscheide und alles von der Laune eines Mannes (Anm.: Wladimir Putin) abhänge. Außerdem habe es in eineinhalb Jahren nach der Invasion kein Treffen und kein Gespräch mit Selenski gegeben. Dieses Interview würde die Richtung beschreiben, in die die ukrainische Gesellschaft derzeit gehe. "Das ist kein gutes Zeichen".

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