Erster Chef bezahlt Ungeimpfte in Quarantäne nicht

Auf Twitter schreibt ein Unternehmer, dass er seinen ungeimpften Angestellten in Quarantäne den Lohn streicht. Doch darf er das überhaupt?

Seit Montag gilt die ausgeweitete Zertifikatspflicht in der Schweiz (siehe Box unten). Auch Firmen können von ihren Angestellten das Covid-Zertifikat verlangen. Denn noch immer gilt: Wer ungeimpft ist und mit einer am Coronavirus erkrankten Person Kontakt hatte, muss in Quarantäne.

Darum will nun ein Unternehmer seinen ungeimpften Angestellten im Fall einer angeordneten Quarantäne keinen Lohn mehr bezahlen, wie er auf Twitter schreibt: Die Mitarbeitenden sollen den Erwerbsersatz selber beantragen – er habe keine Lust mehr auf den administrativen Aufwand.

Grund für den Entscheid seien massive finanzielle Einbußen. "Erzählen seit Januar, die Mitarbeitenden sollen sich impfen lassen. Jetzt ist mal gut", schreibt der User weiter. Andere Nutzerinnen und Nutzer bezweifeln, dass sein Plan legal ist. Das sind die wichtigsten Fragen und Antworten zur Quarantäne am Arbeitsplatz:

Wann muss ich überhaupt in Quarantäne?

Wer in der Schweiz nicht geimpft ist und mehr als 15 Minuten mit einer am Coronavirus erkrankten Person Kontakt hatte, muss sich zu Hause in Quarantäne begeben. Diese dauert zehn Tage. Mit einem negativen Test kann die Quarantäne aber auf sieben Tage verkürzt werden. Genesene und vollständig geimpfte Personen sind hingegen von der Quarantäne befreit. Werden Symptome entwickelt, müssen sich auch genesene und geimpfte Personen isolieren und testen lassen.

Ich muss in Quarantäne, kann mir mein Arbeitgeber den Lohn streichen?

Wird die Quarantäne in der Schweiz behördlich oder ärztlich angeordnet, kann der Arbeitgeber nicht einfach den Lohn streichen, wie die Unia schreibt. Dann haben Betroffene Anspruch auf Erwerbs-Ersatz: Das heißt sie bekommen 80 Prozent ihres Lohnes während sieben Tagen. Die Unia ist sogar der Überzeugung, dass Betroffene den vollen Lohn erhalten sollten, da die Einhaltung der Quarantäne eine gesetzliche Pflicht ist. Die Rechtseinschätzung sei aber noch umstritten und müsse letztlich von einem Gericht entschieden werden.

Ich muss nach dem Urlaub in Quarantäne, habe ich Anspruch auf Lohn?

Wer im Urlaub war, muss je nach Land und Impfstatus nach der Rückreise in die Schweiz in Quarantäne gehen. Betroffene, die zuhause arbeiten können, haben dann Anspruch auf ihren vollen Lohn. Wer nicht arbeiten kann, dem kann der Arbeitgeber den Lohn in der Quarantäne streichen, wie das BAG auf seiner Homepage schreibt. Laut Unia haben Betroffene dann keinen Anspruch auf Lohn oder Erwerbsersatz.

Muss ich den Erwerbs-Ersatz selber beantragen?

Ja, den Anspruch auf Erwerbsersatz müssen Betroffene selber bei ihrer Ausgleichskasse geltend machen, wie die Unia schreibt. In manchen Fällen füllt der Arbeitgeber das Formular aber auch direkt aus. Wer im Homeoffice arbeiten kann während der Quarantäne, bekommt den Lohn ganz normal weiterhin.

Kann mich mein Arbeitgeber zur Impfung zwingen, damit ich nicht in Quarantäne muss?

Eine generelle Impfpflicht für die ganze Belegschaft eines Betriebs ist nicht zulässig, wie das Bundesamt für Wirtschaft Seco auf seiner Homepage schreibt. Allerdings kann von einzelnen Mitarbeitenden verlangt werden, dass sie sich impfen lassen, wenn diese trotz Schutzmaßnahmen sich selber oder Dritte mit einer möglichen Corona-Infektion gefährden. Dabei muss für jeden Einzelfall eine Güterabwägung stattfinden, wie es weiter heißt. Arbeitgeber dürfen ihren Angestellten aber jederzeit nahelegen, sich gegen Corona impfen zu lassen, wenn die Impfung freiwillig bleibt.

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