Im nordhessischen Wabern steht seit Kurzem ein besonderes Gebäude: das erste Haus Deutschlands, dessen Außenwände komplett aus industriell gefertigten, tragenden Lehmsteinen bestehen. Das zweigeschossige Musterhaus gehört dem regionalen Unternehmen Kimm Baustoffe.
Das Projekt wurde von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) gefördert. Ziel ist es, den bei der Kies- und Sandgewinnung anfallenden Lehm zu normierten Lehmsteinen zu verarbeiten - als echte Alternative zu Ziegeln und Beton im Massivbau.
Laut focus.de leben nach Schätzungen der Vereinten Nationen noch rund 1,5 Milliarden Menschen weltweit in Lehmgebäuden. In Deutschland geriet der Baustoff durch die Industrialisierung aber weitgehend in Vergessenheit. Bis 2023 fehlten DIN-Normen für tragende Lehmsteine im modernen Bau.
Die sogenannten Conclay-Lehmsteine werden nicht gebrannt, sondern in einer hydraulischen Presse formgepresst und dann getrocknet. So entfällt der energieintensive Brennprozess. "Im Vergleich zu anderen Massivwandbaustoffen wird bei der Herstellung nur Energie zum Pressen der Steine benötigt", erklärt Geschäftsführer Stefan Kimm-Friedenberg.
Ein großer Vorteil: Die Steine lassen sich vollständig in ihre natürlichen Ausgangsstoffe zurückführen. Sie sind also komplett recycelbar - im Gegensatz zu Beton oder gebrannten Ziegeln.
Das Musterhaus soll künftig als Schulungs- und Seminarzentrum dienen. Dort können Planer, Handwerker und Bauherren die Möglichkeiten des Lehmsteinbaus kennenlernen. Weitere Projekte sind bereits in Erfurt, in Bayern sowie in Luxemburg und Frankreich geplant.