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Erstmals Sonnenexplosion auf Erde, Mars und Mond spürba

Ein heftiger Sonnenausbruch wurde erstmals parallel auf der Erde, dem Mond und dem Mars beobachtet. Welche Gefahren drohen könnten.

Jochen Dobnik
Auf der Oberfläche der Sonne toben heftige Explosionen: Gewaltige Eruptionen verursachen Sonnenstürme.
Auf der Oberfläche der Sonne toben heftige Explosionen: Gewaltige Eruptionen verursachen Sonnenstürme.
Getty Images

Erstmals ist es gelungen, die Folgen einer einzigen Sonneneruption auf drei Himmelskörpern sowie im Sonnensystem nachzuweisen und zu vermessen. Die Europäische Weltraumagentur ESA hat dazu am Dienstag ein Video veröffentlicht. Die Eruption ereignete sich demnach schon am 28. Oktober 2021.

So viele Sonnenstürme wie seit 20 Jahren nicht mehr

Derzeit befindet sich die Sonne in einer besonders aktiven Phase, weshalb es häufig zu heftigen Explosionen kommt, die große Mengen an Partikeln und Strahlung freisetzen, welche auch für die Erde brisant werden könnten.

In den kommenden Jahren werde es vermutlich zu mehreren solcher Sonnenstürme kommen, erklärt Sami Solanski, Direktor am Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung (MPS), der dpa. Hintergrund für die zuletzt verstärkt festgestellten Eruptionen der Sonne ist eine Zunahme der Sonnenflecken. Deren Zahl ist laut Daten der US-Vorhersagebehörde NOAA derzeit so hoch wie seit über 20 Jahren nicht mehr.  

Nachdem die Häufigkeit der Sonnenflecken mit der Sonnenaktivität zusammenhängt, entstehen derzeit viele Sonnenstürme. Je mehr Sonnenflecken Experten entdecken, desto wahrscheinlicher sind Sonneneruptionen.

Der europäischen Raumfahrtbehörde ESA zufolge können dabei hochenergetische Teilchen von mehreren Zehnmilliarden Tonnen ins All geschleudert werden. Sie können binnen Stunden auch zur rund 150 Millionen Kilometer entfernten Erde gelangen.

"Die Auswirkungen eines Sonnensturmes reichen von gestörten GPS- und Flugfunkverbindungen, starken Spannungsschwankungen im Stromnetz bis dahin, dass Trafos in Umspannwerken deutlich heißer werden können, als üblich, was im Extremfall sogar zu einem Trafobrand führen kann" – Christoph Schuh, Austrian Power Grid (APG).

Der Schutzschild der Erde, die Magnetosphäre, "wird dabei wie eine Seifenblase auseinandergezogen und kann sozusagen reißen". Die Teilchen können dann in das Magnetfeld eintreten. Wie Solanski erklärt, kann das zu "wunderschönen Sachen wie Polarlichtern" führen (siehe Fotogalerie unten), aber auch zu Satellitenschäden. Auch der Zusammenbruch eines Stromnetzes sei möglich.

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    Der Mega-Sonnensturm am 23. und 24. März 2023 ließ selbst noch über England noch Polarlichter über den Himmel tanzen. Dieses Bild wurde in Tyne and Wear aufgenommen.
    Der Mega-Sonnensturm am 23. und 24. März 2023 ließ selbst noch über England noch Polarlichter über den Himmel tanzen. Dieses Bild wurde in Tyne and Wear aufgenommen.
    IMAGO/Cover-Images

    "Das ist schon passiert, meistens in etwas höheren Breiten. Aber wir haben in den letzten 150 Jahren keinen so richtig großen Sonnensturm gehabt. Es kann also noch schlimmer kommen."