Erzbischof auf "Sanierungsbesuch" am Jüdischen Friedhof

200 Jahre war der Friedhof in Währing die Hauptbegräbnisstätte des Jüdischen Wien. Kardinal Christoph Schönborn besuchte nun die Sanierungsarbeiten.

Der Jüdische Friedhof Währing war zwischen 1784 und 1884 die Hauptbegräbnisstätte der Israelitischen Kultusgemeinde in Wien. Zudem ist er neben dem Friedhof St. Marx der einzige erhaltene Friedhof im Stil des Biedermeiers. Aus beiden Gründen kommt ihm eine besondere kulturelle und gesellschaftliche Bedeutung zu.

Doch der Zahn der Zeit hat dem kulturhistorischen Friedhof stark zu gesetzt. Seit der nationalsozialistischen Machtübernahme im März 1938 wurde der Friedhof nicht mehr laufend betreut. Zu den Schäden durch die Witterung kommen auch Vandalismus dazu. Neben überwachsenen Wegen, die oft kaum noch begehbar sind, sind auch viele der Grabsteine aus Sandstein verwittert.

Verein kämpft um Erhalt und Zugänglichkeit des Friedhofs

Der 2017 gegründete Verein "Rettet den jüdischen Friedhof Währing" hat sich das Ziel gesetzt, die bedeutende Begräbnisstätte zu erhalten und sie wieder der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Seit dem ist schon viel geschehen: In Kooperation mit Bundesdenkmalamt wurden überwucherte Bereiche gerodet, die Wege wieder begehbar gemacht und umgefallene Grabsteine durch Steinmetze wieder errichtet. Daneben packen auch freiwillige Helfer tatkräftig mit an und entfernen etwa abgefallene Äste. 

Bei einem Besuch machte sich nun der Erzbischof von Wien, Kardinal Christoph Schönborn ein Bild vom Fortschritt der Sanierungsarbeiten. Gemeinsam mit dem Präsidenten der Vereins "Rettet den jüdischen Friedhof Währing", Günther Havranek und Rabbi Schlomo Hofmeister spazierte er am vergangenen Freitag durch die Anlage. "Ich freue mich, dass die Wiederherstellung des jüdischen Friedhofs, die auch von unserer Erzdiözese unterstützt wird, große Fortschritte macht und damit ein wichtiges und beeindruckendes Monument des jüdischen Wiens wieder sichtbar wird", so Schönborn.

Am 12. September findet nächster Freiwilligentag statt

Im Oktober 2020 kündigte die türkis-grüne Bundesregierung finanzielle Unterstützung für den Friedhof an. Um die Wiederherstellung voran zu treiben, stellt der Bund in den nächsten drei Jahren jeweils 200.000 Euro für die Erhaltung und Sanierung des jüdischen Friedhofs Währing zur Verfügung.

Wer mithelfen will, kann das im Rahmen der Freiwilligenarbeit tun. Die nächste Möglichkeit gibt es am Sonntag, 12. September von 10 bis 16 Uhr. Die Folgetermine sind der 10. Oktober sowie der 1. November. Auf die Freiwilligen wartet Gartenarbeit: Mit Hilfe diverse Gartengeräte (diese stehen zur Verfügung) werden Pflanzen zurückgeschnitten und Laub um die Gräber herum entfernt. Das Betreten des Friedhofs erfolgt auch eigene Gefahr, Männer werden gebeten eine Kopfbedeckung zu tragen. Mehr Informationen dazu gibt es online hier.

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