Erzwungene Notlandung für Kurz "absolut inakzeptabel"

Die zur Notlandung gezwungene Ryanair-Maschine mit einem Österreicher an Bord  ist am Sonntagabend in Litauen gelandet.
Die zur Notlandung gezwungene Ryanair-Maschine mit einem Österreicher an Bord ist am Sonntagabend in Litauen gelandet.- / AFP / picturedesk.com
Die zur Notlandung gezwungene Ryanair-Maschine mit einem Österreicher an Bord ist am Sonntagabend in Litauen gelandet.

Unter dem Vorwand einer Bombendrohung wurde am Sonntag gegen 13 Uhr Ortszeit eine Maschine der britischen Fluggesellschaft Ryanair mit Ziel Litauen kurz vor dem Verlassen des weißrussischen Luftraums überraschend zur Umkehr gezwungen. Auch ein Österreicher soll an Bord der Maschine gewesen sein. (Mehr dazu hier >>)

"Ryanair, wo ist Roman?!" Damit begrüßten Unterstützer des belarussischen Exil-Oppositionellen Roman Protasewitsch die Ryanair-Maschine in Vilnius. Allerdings ohne Protasewitsch an Bord. Dieser war nach einer erzwungenen Zwischenlandung der Passagiermaschine in Minsk verhaftet worden.

"Ryanair, wo ist Roman?!" Damit begrüßten Unterstützer des belarussischen Exil-Oppositionellen Roman Protasewitsch die Ryanair-Maschine in Vilnius.
"Ryanair, wo ist Roman?!" Damit begrüßten Unterstützer des belarussischen Exil-Oppositionellen Roman Protasewitsch die Ryanair-Maschine in Vilnius.PETRAS MALUKAS / AFP / picturedesk.com

Landung in Litauen

Mit einigen Stunden Verspätung erreichte die Maschine am Sonntagabend ihren Zielflughafen in Litauen. Protasewitsch habe vermutet, dass das Flugzeug seinetwegen zwischenlanden musste, sagten mehrere Fluggäste einem Reporter der Nachrichtenagentur AFP.

"Er geriet in Panik und sagte, dass dies seinetwegen sei", sagte die 40-jährige Passagierin Monika Simkiene nach der Landung. "Er hat sich einfach zu den Leuten umgedreht und gesagt, dass ihm die Todesstrafe droht", fügte sie hinzu. Der Oppositionelle sei plötzlich "sehr ruhig" geworden.

 Ein weiterer Passagier, der nur seinen Vornamen Mantas nennen wollte, sagte ebenfalls, dass Protasewitsch zunächst sehr nervös gewirkt habe, "aber dann, als er verstand, dass er nichts daran ändern kann, beruhigte er sich und akzeptierte es".

Kampfjet zwang Maschine zur Notlandung

Die Ryanair-Maschine hatte sich am Sonntag auf einem Flug von Athen nach Vilnius befunden, als sie von einem belarussischen Kampfjet zur Notlandung gezwungen wurde. Am Flughafen von Minsk wurde dann der Regierungskritiker und ehemalige Chefredakteur des Oppositionskanals Nexta, Protasewitsch, festgenommen, wie Nexta berichtete. Das staatliche Fernsehen bestätigte die Festnahme.

Nach Angaben der belarussischen Behörden wich die Maschine auf dem Weg nach Litauen wegen einer "Bombendrohung" von ihrem Kurs ab. Die belarussische Präsidentschaft bestätigte, dass auf Anweisung von Lukaschenko ein Kampfflugzeug vom Typ MiG-29 aufgestiegen sei, um das Flugzeug abzufangen.

Betrugsvorwürfe

Über Nexta waren nach der von massiven Betrugsvorwürfen begleiteten Präsidentschaftswahl in Belarus im vergangenen August hunderttausende Demonstranten mobilisiert worden. Die monatelang andauernden Proteste hatten sich später abgeschwächt.

Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP)
Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP)JOE KLAMAR / AFP / picturedesk.com

Kurz regiert

Der EU-Ratspräsident Charles Michel hatte am Sonntagabend erklärt, dass der Vorfall bei dem EU-Gipfel am Montagabend in Brüssel diskutiert werde. Er deutete auch mögliche Sanktionen an. "Der Vorfall wird nicht ohne Konsequenzen bleiben", so Michel.

Eine Reaktion auf die Zwangs-Landung der Ryanairs-Maschine kam am Montag auch von Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP). Er hat den Vorfall verurteilt:

"Die Europäische Union darf nach der erzwungenen Landung eines kommerziellen Flugzeugs zur Verhaftung eines Journalisten in Belarus nicht zur Tagesordnung übergehen, denn das ist absolut inakzeptabel."

Und weiter: "Daher unterstütze ich eine Behandlung von Belarus beim Europäischen Rat", so der Kanzler in einem Statement gegenüber der APA.

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