Gewalt an Frauen

"Es wäre nett, wenn Männer die Straßenseite wechseln"

Der elfte Frauenmord des Jahres 2024 erschüttert Österreich. Aus ihren Erfahrungen berichtet im ORF die langjährige Frauenhaus-Geschäftsführerin.

Newsdesk Heute
"Es wäre nett, wenn Männer die Straßenseite wechseln"
Die langjährige Geschäftsführerin der Wiener Frauenhäuser, Andrea Brem, in der ORF-"ZIB2".
Screenshot ORF

Schon wieder ein Mord an einer Frau in Österreich! Mitten in Wien-Floridsdorf wurde eine junge Frau (22) durch extreme Gewalteinwirkung getötet – von einem männlichen Mitbewohner. Carla S., eine Chilenin, soll Dienstagnacht von einem Rumänen (26) mit einer Axt attackiert worden sein – mit tödlichem Ausgang. Um 20.30 Uhr ging der Notruf bei der Polizei ein. Dann ging alles ganz schnell: Der Mann lief halbnackt auf die Straße, schwang immer noch die Axt.

Bist du von Gewalt betroffen? Hier findest du Hilfe
Frauenhelpline (rund um die Uhr, kostenlos): 0800 222 555
Männernotruf (rund um die Uhr, kostenlos): 0800 246 247
Rat auf Draht: 147
Autonome Frauenhäuser: 01/ 544 08 20
Polizei-Notruf: 133

Als kurz darauf die Polizei eintraf, griff der Tobende auch die Polizisten an. Weil es sich laut Polizei um eine lebensbedrohliche Situation gehandelt habe, griff ein Beamter zur Dienstwaffe, schoss. Der Rumäne – er war bereits polizeibekannt – brach getroffen zusammen. Die Polizisten versuchten, ihn sofort zu reanimieren, doch er starb noch vor Ort. Szenen, die fassungslos machen – und dennoch in Österreich immer wieder vorkommen.

22-Jährige in Wien getötet – Axt-Killer erschossen

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    Am Dienstagabend überschlugen sich die Meldungen! Gegen 20 Uhr alarmierten Anrainer wegen eines heftigen Streits in einer Wohnung in Floridsdorf die Polizei.
    Am Dienstagabend überschlugen sich die Meldungen! Gegen 20 Uhr alarmierten Anrainer wegen eines heftigen Streits in einer Wohnung in Floridsdorf die Polizei.
    Leserreporter

    Psychosen zu lange vernachlässigt

    Die Situation analysierte am späten Mittwochabend in der ORF-"ZIB2" bei Moderator Armin Wolf die langjährige Geschäftsführerin der Wiener Frauenhäuser, Andrea Brem. Wäre so eine Tat während einer Psychose überhaupt verhinderbar? Man habe das Problem psychiatrischer Diagnosen zu lange vernachlässigt, so die Expertin. Viele Betroffene würden "Medikamente einfach nicht nehmen" und es gebe "viele Freiheiten" bei der entsprechenden Diagnose.

    "Ich erlebe oft, dass die Behandlungen nicht lange anhaltend sind", so Brem – sie müssten aber so lange gehen, bis zumindest "eine Einsicht vorhanden" sei, dass Medikamente genommen werden müssten. "Wenn Gewalt im Spiel ist", dann sei grundsätzlich eine "Anhaltung in einer psychiatrischen Einrichtung" wünschenswert, so die Expertin. Die Frauenmorde in Österreich seien zudem vielschichtig, so Brem, da brauche es etwa mehr Sozialarbeit nach einem Mord unter älteren Menschen.

    "Im besten Fall eine Anzeige"

    Außerdem verwies Brem auf eine Mutter, die ihre Tochter getötet habe, die sich auch "nirgends Hilfe gesucht" habe. "Wir müssen uns Maßnahmen überlegen, wie wir diese Frauen besser stützen können", so Brem. Frauen, die zu ihren gewalttätigen Partnern zurückgehen würden, würden in die Frauenhäuser wiederkommen, berichtet die langjährige Frauenhaus-Geschäftsführerin. Und: Damit sei zumindest etwas geschehen, Externe seien eingeweiht. Wichtig sei aber, aus der Gewalt einmal herauszukommen, "im besten Fall ist das eine Anzeige".

    Ein gewalttätiger Mann brauche mehr als Sechs-Stunden-Antigewalttrainings, es brauche langfristige Angebote und das flächendeckend, plädierte die Expertin. Dass in einer Umfrage mehr Frauen erklärt hatten, sie würden in einem Wald lieber auf einen wilden Bären als einen Mann treffen, verwunderte Brem schließlich nicht: "Ich glaube, dass jede Frau in ihrem Leben bereits Situationen erlebt hat, in denen sie sich bedroht gefühlt hat."

    Das können Männer nie nachvollziehen, dass wir in der ständigen Angst leben vor Übergriffen
    Andrea Brem,
    langjährige Geschäftsführerin der Wiener Frauenhäuser

    Was könnten Männer tun, um Frauen in bedrohlichen Situationen, etwa am Heimweg im Dunklen, die Angst zu nehmen? Wichtig sei, der Situation entsprechend zu reagieren, so Brem: "Es wäre nett, die Straßenseite zu wechseln", um zu signalisieren, "es ist alles ok", denn man wisse ja nie, wer da gerade entgegenkomme. "Das können Männer nie nachvollziehen, dass wir in der ständigen Angst leben vor Übergriffen", so Brem.

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      Letzte Generation

      Auf den Punkt gebracht

      • In Österreich erschüttert der elfte Frauenmord des Jahres 2024 die Öffentlichkeit, nachdem eine junge Frau in Wien-Floridsdorf von ihrem männlichen Mitbewohner mit einer Axt getötet wurde
      • Die langjährige Geschäftsführerin der Wiener Frauenhäuser, Andrea Brem, betont die Notwendigkeit, psychische Erkrankungen ernst zu nehmen und langfristige Unterstützung für Opfer von Gewalttaten anzubieten
      • Sie fordert außerdem, dass Männer in bedrohlichen Situationen, wie dem Heimweg im Dunkeln, sensibler reagieren und beispielsweise die Straßenseite wechseln, um Frauen Sicherheit zu signalisieren
      red
      Akt.