Das europäische Standardisierungsgremium ETSI hat ein neues Komitee für kritische Funksysteme gegründet. Das TC CCS soll Digitalfunkstandards für Polizei, Feuerwehr, Rettungsdienste und andere Betreiber kritischer Infrastrukturen weiterentwickeln.
Dabei geht es sowohl um neue Spezifikationen für Breitbandnetze als auch um die Weiterentwicklung des bewährten TETRA-Standards. Die Auftaktsitzung fand Mitte Mai im französischen Sophia Antipolis statt, dem Sitz der ETSI.
Wie heise.de berichtet, bietet das aktuelle TETRA-System nur wenige Kilobit pro Sekunde Datenrate. Das reicht für Sprache, aber nicht für moderne Anwendungen wie das Versenden von Bildern, Videos oder Sensordaten.
Genau diese Daten haben sich in den letzten Jahren als enorme Hilfe bei der Beurteilung von Gefahrenlagen herausgestellt. Immer mehr Sicherheitsbehörden nutzen Drohnen sowie GPS-Tracker, um bei Einsätzen den Überblick zu behalten.
Das neue Komitee soll Standards für das geplante European Critical Communications System (EUCCS) vorbereiten, das bis 2030 etabliert werden soll. Es ist nicht als ein einziges zentrales EU-Behördenfunknetz gedacht.
Ziel ist vielmehr, die Kommunikationssysteme von Behörden und Hilfsorganisationen in Europa interoperabel zu machen - insbesondere für grenzüberschreitende Einsätze. Die EU-Kommission beschreibt EUCCS als System, das die Netze von Strafverfolgungsbehörden und Zivilschutz verbindet.
Technische Grundlage sollen die Mission Critical Services aus der 3GPP-Standardisierung sein. Dazu gehören Push-to-Talk-Sprachkommunikation, Datendienste und Video. Diese sollen Eigenschaften klassischer Behördenfunknetze in 5G-Umgebungen übertragen: Gruppenkommunikation, Priorisierung und sichere Authentifizierung.
Beim Auftakttreffen kamen mehr als 50 Organisationen aus dem Umfeld kritischer Kommunikation zusammen. Den Vorsitz übernimmt Ari Toivonen vom finnischen Netzbetreiber Suomen Erillisverkot.