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EU warnt: Putins Spione sitzen im Steakhaus

Der Sicherheitsdienst der EU warnt vor dem Betreten beliebten Restaurants: Dort lauern angeblich russische Spione. Jetzt spricht der Besitzer.

Heute Redaktion
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Das Meet Meat Schuman in Brüssel
Das Meet Meat Schuman in Brüssel
Bild: zVg

"Das ist zwar Blödsinn, aber okay, ich habe fünf Minuten Zeit für Sie. Dann muss ich Putin anrufen", scherzt Philippe Wiener, als ein Reporter des britischen "Guardian" bei ihm auftaucht. Denn bei ihm sollen sich lauter russische und chinesische Spione herumtreiben, die nur darauf warten, EU-Politiker auszuspionieren. Sagt zumindest der interne Sicherheitsdienst des Europäischen Auswärtigen Dienstes.

Laut einem Bericht sollen sich "rund 250 chinesische und 200 russische Spione in der europäischen Hauptstadt" befinden, erfuhr die deutsche "Welt". Der Sicherheitsdienst warnt EU-Diplomaten auch explizit, ein beliebtes Steakhaus und ein Café in unmittelbarer Nähe zum Hauptgebäude der EU-Kommission, dem Berlaymont, zu betreten.

Auch wenn das Restaurant nicht beim Namen genannt wird, ist klar, welches gemeint ist. "Ich bin das einzige Steakhaus in der Gegend, das muss ich sein", sagt Wiener. Sein Restaurant, das Meet Meat Schuman, befindet sich gegenüber des Berlaymont-Gebäudes und ist tatsächlich beliebt bei EU-Bediensteten. Er bezweifelt nicht, dass viele seiner Gäste eine Menge Geheimnisse hüten, und dass Brüssels Straßen mit Geheimagenten gespickt sind.

Hochrangige EU-Politiker zu Gast

"Wir haben jeden Tag Kommissare bei uns" und EU-Ratspräsident Donald Tusk und seine Mitarbeiter schauen auch immer wieder mal vorbei. "Aber man kommt nicht zum Arbeiten her", erzählt Wiener. "Sehen Sie den Mann dort drüben? Den mit dem weißen Hemd? Er ist jeden Tag hier. Aber er arbeitet nicht. Nicht mit zwei Gläsern Wein", ist er sich sicher.

"Ich sehe niemals irgendwelche Laptops am Tisch. Sehen Sie irgendjemanden mit einem Kuli in der Hand? Diese Leute sind nicht dumm. Um in der EU-Kommission zu arbeiten, muss man sehr klug sein. Diese Leute plaudern keine Geheimnisse aus."

Wiener glaubt nicht, dass an den Vorwürfen des Sicherheitsdiensts etwas dran ist. Denn dessen Anordnung ist schließlich geschäftsschädigend für ihn. "Wir sind ein lautes Restaurant, Sie würden am Nachbartisch nichts hören. Sie können unter den Tischen nachsehen, aber sie werden keine Wanzen finden – höchstens Kaugummis."

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