Kinofilme zum Herunterladen und Links zu ominösen Onlyfans-Angeboten: Auf der offiziellen Website der EU-Bildungsplattform fanden sich kürzlich ungewöhnliche Inhalte. So berichten Sicherheitsforschende der Firma Nordsecurity, dass es Cyberkriminellen gelang, die entsprechenden Links auf der Website einzubetten.
Eigentlich bietet die European School Education Platform, kurz Esep, Bildungsmaterial für Schulpersonal, Forschende, politische Entscheidungsträgerinnen und -träger und andere Fachleute. Dabei reicht das Material von der frühkindlichen Bildung über Primar- und Sekundarstufe bis zur beruflichen Erstausbildung.
Unter dem Schulmaterial für Sprachbildung, dem Programmierbasiskurs und Unterlagen zu Menschenrechten gab es nun einen Querschläger: Auf der Esep-Site waren plötzlich Links zu "kostenlosen Onlyfans-Accounts" und Links zu dubiosen Streamingwebsiten, schreiben die Sicherheitsforschenden.
Der Vorfall habe zwar nur begrenzte Auswirkungen, zeige aber, dass die Cybersicherheit in Teilen der Online-Infrastruktur der EU unzureichend sei, heißt es. "Was die Hacker machen, nennt sich Blackhat-SEO", erklärt Adrianus Warmenhoven, Forscher bei Nordsecurity. Die Cyberkriminellen würden dabei Links auf seriösen Plattformen wie der Esep unterbringen, um ihr Ranking in Suchmaschinen zu verbessern.
Der Sicherheitsforscher erklärt gegenüber "Politico", dass in diesem Fall die EU-Kommission die Website zu wenig gut geschützt und zu lasche Sicherheitseinstellungen angewendet hat. So konnten Außenstehende ein Profil erstellen, Links, PDFs und andere Dateien auf der Website einbetten. Die entsprechende Site ist zwar über Google noch auffindbar, sie wurde aber mittlerweile von Esep gelöscht.
"Es ist nicht kompliziert, das auszunutzen. Es ist aber auch nicht kompliziert, sich dagegen zu wehren", sagt Warmenhoven. Die Tatsache, dass die EU es versäumt habe, grundlegende Sicherheitsüberprüfungen auf der Website durchzuführen, sei der besorgniserregendste Teil, wird er im Artikel weiter zitiert.
Gegenüber "Politico" sagte ein Sprecher der EU-Kommission, dass man sich dem Problem bewusst sei und man daran arbeite, es zu lösen. "Wir gehen so schnell wie möglich vor und stellen gleichzeitig sicher, dass wir weiterhin ununterbrochene Dienstleistungen anbieten können", so der Sprecher. Man möchte sich zudem bei den Sicherheitsforschenden bedanken, die geholfen haben, diesen bedauerlichen Missbrauch aufzudecken.