Wirtschaft

Euro-Mindestkurs gekippt: 220.000 Österreicher zittern

Heute Redaktion
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Die Schweizer Notenbank gibt den vor mehr als drei Jahren eingeführten Euro-Mindestkurs von 1,20 Franken auf. "Der Mindestkurs wurde in einer Zeit der massiven Überbewertung des Frankens und größter Verunsicherung an den Finanzmärkten eingeführt", erklärte die Schweizerische Nationalbank (SNB) am Donnerstag. Schlecht ist dies für Österreicher und Kommunen, die einen Franken-Kredit aufgenommen haben.

Die Schweizer Notenbank gibt den vor mehr als drei Jahren eingeführten Euro-Mindestkurs von 1,20 Franken auf. "Der Mindestkurs wurde in einer Zeit der massiven Überbewertung des Frankens und größter Verunsicherung an den Finanzmärkten eingeführt", erklärte die Schweizerische Nationalbank (SNB) am Donnerstag. Schlecht ist dies für Österreicher und Kommunen, die einen Franken-Kredit aufgenommen haben.

"Der Franken bleibt zwar hoch bewertet, aber die Überbewertung hat sich seit Einführung des Mindestkurses insgesamt reduziert." Die europäische Gemeinschaftswährung sackte nach der Ankündigung unter die Parität auf Kurse um 0,9586 Franken ab. Auch der US-Dollar fiel zum Franken massiv auf einen Wert von 0,8864 CHF, der größte Rutsch seit mindestens 1971.

Zugleich senkte die Zentralbank den Zins für Guthaben auf den Girokonten, die einen bestimmten Freibetrag übersteigen, um 0,5 Prozentpunkte auf minus 0,75 Prozent. Das Zielband für ihren Referenzzins Dreimonats-Libor verschiebt sie weiter in den negativen Bereich auf minus 1,25 bis minus 0,25 Prozent.

Bis zu 220.000 Österreicher betroffen

Schlecht ist diese Entwicklung für Österreicher, die einen Franken-Kredit laufen haben. Diese werden nun massiv teurer. Gut ist es für Schweizer, die in der Euro-Zone einkaufen gehen.

In Österreich gibt es nach wie vor ein Volumen von rund 22 Mrd. Euro an aushaftenden Schweizer-Franken-Krediten. Geht man von durchschnittlich 100.000 Euro pro Kredit aus, dann haben sich durch den unerwarteten Schritt der Schweizer Notenbank für 220.000 Österreicher ihre Kredite auf einen Schlag massiv verteuert, schätzt der Chef von s-Bausparkasse und s-Wohnbaubank, Josef Schmidinger.

"Das aushaftende Franken-Kreditvolumen hat sich zwar in den letzten zwei Jahren um 20 Prozent reduziert, aber über 20 Milliarden haben wir noch", sagte Schmidinger. "Wenn der Franken um ein Prozent aufwertet, dann ist das kein Thema. Aber wenn es größere Schwankungen gibt, dann kann es natürlich wieder zu Bewertungsthemen bei den Häusern kommen."

Österreichs Banken betroffen

Ein fortgesetzter Höhenflug des Schweizer Franken könnte österreichischen Banken in Zukunft Probleme bringen. Er erschwert für die Kunden der Geldhäuser die Rückzahlung von Franken-Darlehen. Den Instituten drohen daher mittelfristig Kreditausfälle. Besonders betroffen sind Banken in Österreich sowie in Teilen Osteuropas. Allein in Österreich standen zuletzt Franken-Kredite über 29,5 Mrd. Euro aus.