Wirtschaft

Eurofighter: Ministerium sieht (noch) keine Gefahr

Heute Redaktion
14.09.2021, 14:58

Das Verteidigungsministerium hat sämtliche Eurofighter-Modelle in österreichischem Besitz technisch überprüfen lassen. Ergebnis: Alle 15 Flieger haben Probleme am Hinterteil. Der Grüne Abgeordnete Peter Pilz fordert nun von Verteidigungsminister Gerald Klug Konsequenzen. Das Ministerium und Klug betonen aber die intakte Einsatzbereitschaft.

Das Verteidigungsministerium hat sämtliche in österreichischem Besitz technisch überprüfen lassen. Ergebnis: Alle 15 Flieger haben Probleme am Hinterteil. Der Grüne Abgeordnete Peter Pilz fordert nun von Verteidigungsminister Gerald Klug Konsequenzen. Das Ministerium und Klug betonen aber die intakte Einsatzbereitschaft.

Das Verteidigungsministerium versucht, im Wirbel rund um die Bohrlöcher der Eurofighter zu kalmieren. Flugbetrieb und Sicherheit seien "in keiner Weise eingeschränkt", wurde am Donnerstag festgehalten. Gerald Klug betonte im Ö1-"Mittagsjournal", dass "aktuell an der richtigen Stelle gearbeitet" werde.

"Zivilrechtliche Ansprüche"

Zuletzt waren Spekulationen laut geworden, dass die nicht ausreichend gereinigten Bohrlöcher am Rumpfhinterteil des Fliegers ein Grund für einen Ausstieg aus dem Abfangjäger-Deal sein könnte. Darauf ließ sich Klug indes nicht ein: Er verwies generell auf die "Task Force" im Ministerium, die den Ankauf und mögliche Korruptionsfälle "in enger Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft" prüft. Diese untersuche nun auch mögliche "zivilrechtliche Ansprüche", die sich aus dem Fertigungsmangel ergeben könnten, hieß es aus dem Ministerium.

"Belasten Budget überdurchschnittlich"

Klug erinnerte daran, dass die SPÖ immer gegen die Eurofighter gewesen sei. "Jetzt sind sie da. Sie belasten das Budget des österreichischen Bundesheeres überdurchschnittlich, aber sie sind Teil der österreichischen Luftraumüberwachung." Sollten sich wie auch immer geartete "Möglichkeiten" bieten, werde er "das beste Ergebnis für die Republik herausholen", wiederholte Klug mehrmals, ohne die "Möglichkeiten" zu präzisieren.

Das Ministerium reagierte in seiner Aussendung auch auf Kritik, dass Klug nicht ausreichend über den Fertigungsmangel informiert gewesen sei. Grund zur Panik besteht nicht. Der Mangel würde nämlich unter Beibehaltung der derzeitigen Flugstunden erst in 15 Jahren zu Folgen am Eurofighter führen. Sogenannte Service Bulletins der Industrie seien zahlreich und Routine.

Nur bei kritischen Problem werde das Überwachungsgeschwader in Zeltweg informiert, danach erfolge "je nach Dringlichkeit bzw. Schwere des Problems die Information an militärische Entscheidungsträger und in weiterer Folge an den Bundesminister". Im Fall der Bohrlöcher würden "von der Industrie weitere Untersuchungen vorgenommen".

Problem schon länger bekannt

Dass es ein Problem gibt, ist offenbar schon länger bekannt. Die entsprechende Information wurde nämlich schon im August an die zuständige Stelle im Bundesheer weitergegeben. Der Mangel hat zur Folge, dass die Haltbarkeit eines Bauteiles am Rumpfhinterteil der Tranche 1-Flugzeuge von 6.000 auf 2.000 Flugstunden reduziert wurde. Deutsche Inspektoren hatten zuvor bei einer Qualitätskontrolle einen Produktionsfehler am Rumpfhinterteil entdeckt.

Aus Sicherheitsgründen habe die Herstellerfirma BAE daher die "freigegebene Lebensdauer" von 3.000 auf 1.500 Flugstunden reduziert. Das deutsche Verteidigungsministerium in Berlin habe dennoch "zur Vermeidung von Nachteilen und zur Wahrung von Ansprüchen" bis zur "Klärung der kommerziellen Aspekte die Abnahme von weiteren Luftfahrzeugen ausgesetzt", hieß es in einer Erklärung.

Pilz: Chance für Ausstieg

Der grüne Sicherheitssprecher Peter Pilz sieht angesichts der bekannt gewordenen Konstruktionsschwächen bei den österreichischen Eurofightern wieder die Chance für einen Ausstieg aus dem Vertrag. Klug solle nun zumindest die Stilllegung der 15 Kampfflugzeuge verkünden, forderte er am Mittwoch. Sonst drohen parlamentarische Konsequenzen.

Die Flugzeuge seien ohnehin de facto nicht betriebsfähig und würden mit den neuesten Erkenntnissen "ein großes technisches Risiko" darstellen. Die Auswirkungen sind laut Pilz "noch nicht absehbar". Empört ist Pilz zudem darüber, dass - im Gegensatz zu Deutschland - die heimischen Abgeordneten erst via Medien über die Mängel erfahren mussten. Pilz droht mit Konsequenzen, will nicht nur den Nationalrat mit der Causa beschäftigen, sondern auch den Nationalen Sicherheitsrat einberufen.

 

Der Eurofighter wurde für die deutsche Luftwaffe sowie die Streitkräfte weiterer europäischer Staaten entwickelt. Auch Österreich hat Maschinen erworben - der Ankauf ist bis heute nicht unumstritten. Bei dem Mehrzweckkampfflugzeug gab es in den vergangenen Jahren immer wieder Probleme, nachdem sich die von zahlreichen Schwierigkeiten geplagte Entwicklung über Jahre hingezogen hatte.

 

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