Den Preis der Schul-Schließung zahlen Kinder und Frauen

"Heute"-Herausgeberin Dr. Eva Dichand
"Heute"-Herausgeberin Dr. Eva DichandHelmut Graf
Schulen zusperren? Das ist der einfache Weg. Aber wer verkauft in den Geschäften, pflegt und operiert in den Spitälern, wenn Frauen daheim bleiben?

Wie zu erwarten, steigen überall in Europa die Covid-Neuinfektionszahlen rasant an. Österreich ist seit einer Woche im Lockdown light. Oberstufe auf Distance-Learning, Oper, Kino, Museen geschlossen, jedoch Ikea und Shoppingcenter zum Bersten voll letzten Samstag. Welche Logik da dahintersteht, fragt man sich wirklich.

Feiern erlaubt, aber Unterrichten verboten?

Die Ausgangssperre gilt ab 20 Uhr, aber wilde Partys in Underground-Clubs finden statt. Der Großteil der Bevölkerung muss den Preis für eine undisziplinierte kleinere Gruppen zahlen. Und jetzt sollen noch unsere Kinder zahlen …

Kinder infizieren sich seltener und geben das Virus seltener weiter – zumindest bis zum 14. Lebensjahr. Da sind sich die Mediziner fast einig. Eines ist auf jeden Fall bekannt: Es gibt keinen einzigen Cluster, der von einer Schule oder von Schulklassen mit Kindern unter 14 Jahren ausgeht. Dafür sind wir weltberühmt geworden mit unserem Ischgl-Cluster.

Den Preis zahlen vor allem Frauen und Kinder

Hinter den Kulissen wird von der mächtigen Tourismuswirtschaft der totale Lockdown gefordert – man wollte die Winterskisaison retten. Generell schon ein etwas naiver Gedanke. Den Preis dafür sollen ruhig unsere Kinder und deren Eltern zahlen. Sie (meist trifft es die Frauen) sollen einfach zu Hause bleiben und sich kümmern. Man fragt sich, wer dann wohl in den Geschäften verkauft, Brötchen bäckt, in den Spitälern pflegt und operiert. Zum Handkuss kommen vermehrt wieder Frauen, die aus dem Arbeitsprozess gerissen werden und vielleicht ihren Job verlieren.

Und bezahlen werden auch unsere Kinder. Deren soziales und psychisches Wohlbefinden spielt anscheinend keine Rolle – ganz zu schweigen von den gravierenden Folgen für ihre Ausbildung.

Schulschließungen? Dann droht kleine Rebellion

Man fragt sich schon, warum nicht bereits jeder Schularzt ein paar hundert Schnelltests hat, um Verdachtsfälle zu testen. Hier kann man der Regierung wirklich große Versäumnisse vorwerfen. Die medizinischen Berater haben bereits vor Monaten auf die notwendige Bestellung von Schnelltests in Millionen-Stückzahlen hingewiesen. Geschehen ist nichts.

Der aktuelle Lockdown wird erst nächste Woche einen richtigen Rückgang an Neuinfektionen zur Folge haben. Man kann nur hoffen, dass unsere Politik nicht die Nerven weghaut und frei Hand die Schulschließungen anordnet.

Es könnte zu einer kleinen Rebellion kommen. "#unsereKinderzählen"!

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