"Evil Genius 2" im Test: Superwitze Schurken-Sim

"Evil Genius" bekommt nach 17 Jahren mit "Evil Genius 2: World Domination" einen Nachfolger. Und der zeigt sich wieder als witzige Bösewichter-Sim.

"Evil Genius 2: World Domination" ließ seit 2004 auf sich warten, nun ist das Spiel für PC endlich da. Wie im Original geht es darum, als Bösewicht die Welt zu übernehmen und dabei durch verbrecherische Machenschaften ein unfassbares Vermögen anzuhäufen. Superwitzig ist schon das Tutorial angelegt, das gekonnt in die Handlung eingebettet wird. Und das Spiel setzt auf einen messerscharfen Comic-Look, gibt sich bei der Handlung als Zeichentrick-Parodie der größten James-Bond-Filme.

Jeder der vier wählbaren Fieslinge verfügt im Spiel über gänzlich unterschiedliche Stärken und Schwächen, was dem Game einen großen Wiederspielwert spendiert. Die Figuren zeigen sich als verrückte Wissenschaftlerin, als beinharter General, als schlaue Ex-Agentin oder als glatzköpfiger Strippenzieher. Sie alle spielen sich nicht komplett unterschiedlich, bieten aber ihre eigene Storyline, verschiedene Status-Boosts und auch die jeweiligen Weltuntergangsmaschine, die das Verderben bringt.

Aufbau-Simulation des Superbösen

Ebenfalls wählbar ist nicht nur der Startcharakter, sondern auch die Startumgebung, die ebenfalls über Stärken und Schwächen verfügt – ein vermeintliches Casino ist dabei immer die Tarnung, es gibt aber auch eine Touristenattraktion, die doch für Aufmerksamkeit sorgt. Die Wahl des Startplatzes entscheidet dabei vor allem, ob man lieber mehr Kapital auf der Kante oder aber doch mehr Platz für Schergen, Labore und Maschinen haben will. Ein "Sim City" der Bösewichte quasi.

Auch einen Schwierigkeitsgrad gilt es noch auszuwählen, dann startet man in die Kampagne. Neben dieser gibt es leider keinen Mehrspielermodus, sondern nur eine Art freien Modus, in dem man nicht erst nach und nach alles freischalten muss. Auch einen Schnellstartmodus mit vorausgewähltem Charakter findet man. Wie eine typische Aufbau-Simulation spielt sich auch der Auftakt: Nach und nach wird der Eingang zur Insel mit dem Grundriss des jeweiligen Raumes ausgebaut und im neuen Zimmer werden die Einrichtungsgegenstände platziert.

Tolle KI hält die Schergen auf Trab

Ist alles nach Geschmack, legen die vorhandenen Arbeiter mit dem Neubau los und erledigen die Aufträge automatisch. Bei der Zimmerauswahl dürfte es dieses Mal extrem viel Auswahl geben, vom Schlafzimmer bis hin zur Lagerkammer für Gold. Was allerdings überrascht: Mit dem Ausbau der Basis wächst die Mitarbeiterzahl zwar automatisch, anders als im Original können wir sie aber nicht durch zusätzliche manuelle Mechaniken weiter erhöhen. Und was außerdem auffällt: gerade die Bauphase benötigt massenhaft Klickarbeit, denn jeder Block muss einzeln ausgehoben werden und bei Umbauten – etwa wenn die Basis extrem groß wird – dauert es lange, bis alle Räume neu gestaltet und angelegt wurden.

Lob gibt es dafür für die KI, die nicht stottert – genau so muss es für Untertanen sein. Ein Kümmern um sie wie in einem "Sims"-Game gibt es nicht, denn auch Schlaf- und Essenpausen legen sie selbst ein. Wer sich die Mühe machen will, kann ihnen aber in den Menüs spezielle Aufgaben hinterlegen, doch auch ohne Feintuning klappt die Arbeitsverteilung sehr gut. Steht die eigene Basis mal felsenfest, geht es schließlich zur Welteroberung: Auf einer Karte dürfen Regionen ausspioniert, sabotiert und dann mit einem Außenposten versehen werden. Allzu spannend wird es dabei nicht, es dreht sich eher um das Abarbeiten von Missionslisten.

Eine große Prise tiefschwarzer Humor

Spaß macht dafür die Weiterbildung der Schergen zu Wissenschaftlern, Kämpfern und Täuschern, die jeweils Spezialaufgaben annehmen und neue Superwaffen oder Wahnsinnsinstrumente entwickeln können. Jede neue Einheit wurde dabei mit einer Nebenmission bedacht, die die Figur vorstellt und ihre Stärken hervorhebt – nett! Außerdem sprühen die Sprachausgabe und die Dialoge nur so vor schwarzem Humor und sorgen für Lacher in den Handlungssequenzen.

Nett sind auch die Kämpfe in "Evil Genius 2" gestaltet, die ausbrechen, wenn Ermittler versuchen, das Geheimnis unserer Insel zu entdecken. Kann man sie nicht am Eingang abwimmeln, stürzt man sich in den Kampf und kann die eigenen Truppen gegen die lästigen Behörden aufhetzen. Besiegte Feinde können dabei gefangen genommen, verhört und per Gehirnwäsche umgedreht werden. Oder aber, man pflanzt sich einfach eine fleischfressende Pflanze in die Basis, die sich über neugierige Agenten freut.

Ein verrückter Aufbaustrategiespaß

Gut ist der Detailgrad ausgefallen, auch wenn er manche Spieler nerven könnte, die sich nicht um jeden Einrichtungsgegenstand kümmern wollen. Hat man den Grundriss eines Raumes festgelegt, erscheint der nämlich nicht fix fertig wie von Zauberhand, sondern will mit Möbel und Gegenständen vom Bürosessel bis zur Kaffeemaschine befüllt werden. Wichtig bei der Raumplanung ist aber vor allem, nicht zu verzweigt zu denken. Weil die Bösewicht-Mitarbeiter regelmäßig zum Schlafen und Essen rennen, sollten die jeweiligen Räume in der Nähe sein, um effektiver zu arbeiten.

"Evil Genius 2: World Domination" ist zwar komplett kurzweilig, aber überraschend lange ausgefallen. Wie in einem typischen und tiefgehenden Aufbaustrategiespiel heckt man Pläne und baut Basen schnell in dreistelligen Spielstundenzeiten auf. Pro Kampagne kann man zudem locker 25 bis 30 Stunden einplanen. Enttäuscht wird man dabei nicht, denn das ohnehin schon spaßige Gameplay wird von schwarzhumorigen Zwischensequenzen begleitet. Dazu kommt ein super Soundtrack, der das Ergebnis noch einmal abrundet. "Evil Genius 2" ist ein verrückter Aufbaustrategiespaß, mit dem sich jeder Spieler zur Weltherrschaft aufschwingen sollte.

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