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Ex-Impfgegner: "Haben viele Menschen auf dem Gewissen"

Der italienische Arzt Pasquale Bacco war lange Zeit das Gesicht der Impfgegner-Bewegung. Heute sieht er die Dinge völlig anders.

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    Der italienische Arzt Pasquale Bacco kehrt der Anti-Corona-Szene den Rücken. In einem Interview mit "Corriere della Sera" erklärt er, warum.
    Der italienische Arzt Pasquale Bacco kehrt der Anti-Corona-Szene den Rücken. In einem Interview mit "Corriere della Sera" erklärt er, warum.
    Screenshot Youtube/La7 Attualità

    An über 300 Anti-Corona-Demos nahm er teil, sprach sich, so oft er konnte, gegen den Corona-Impfstoff aus, doch jetzt kehrt der italienische Arzt Pasquale Bacco der No-Vax-Szene den Rücken. Nach all dem, was er in den letzten zwei Jahren erlebt hat, ist Bacco nun «überzeugt, dass Covid tödlich ist und dass Impfstoffe die Lösung sind».

    In einem Interview mit der italienischen Zeitung "Corriere della Sera" sagt der Arzt aus Neapel, worum es in der No-Vax-Welt wirklich geht: um viel Geld - Bacco spricht dabei von einer "wahren Wirtschaft der Impfgegner-Angst". Dabei gehe es um Sammelklagen, Internet-Websites, Stiftungen und Kunden, so der Mediziner. "Deshalb fürchten sich so viele Menschen, dass die Sache zu Ende geht."

    Hinter No-Vax-Szene stecken "wohlhabende alte Männer"

    Hinter der Szene stecke ein wirtschaftlicher Gedanke. "Restaurants, Ärzte, Anwälte, Ingenieure, Landvermesser, Lehrer, eine Welt von No-Vax-Anbietern, die bereit sind, No-Vax-Kunden zu empfangen", sagt Bacco, der sogar ein Buch mit dem Titel "Una strage di Stato" ("Ein Staatsmassaker") herausgab.

    Auf den Bankkonten der Impfgegner-Vereine liegen 400.000 Euro, sagt er. "Es gibt so viele Spenden. Man muss sich nur ansehen, wem sie gehören und wer Vorsteher ist, um alles zu verstehen. Sie sind alle wohlhabende alte Männer", wirft der Arzt vor.

    "Der alte Magistrat, der alte Chefarzt, der alte Rechtsberater. Alles Profis am Ende ihrer Karriere, die sich ein Spielzeug für ihr Alter zugelegt haben, um ihre Perversionen zu befriedigen."

    "Man verfällt dem absoluten Wahnsinn"

    In gewissem Maße sieht sich Pasquale Bacco selbst als Opfer: Für die Reden an den Demos sei er geschult worden - und zwar "von jemandem, der für nationale Nachrichtensendungen verantwortlich war". Wenn man dann drin sei, verliere man langsam "den eigenen Verstand, ohne es einmal zu merken".

    Er sei als junger Arzt eines der ersten Mitglieder der italienischen Bewegung der Maßnahmenkritiker geworden. "Ab diesem Moment wird ein gefährlicher Prozess ausgelöst."

    Die No-Vax-Szene bezeichnet Bacco als ein Glaube, "und man wird zu einem Gott. Man verfällt dem absoluten Wahnsinn." Impfgegner seien sehr ängstliche Menschen, die in einer Gruppe Sicherheit suchten.

    "Wir alle, die uns nicht impfen ließen, sind große Feiglinge"

    Bacco gibt im Interview an, wachgerüttelt worden zu sein, als er sah, wie ein 29-Jähriger auf der Intensivstation an Covid-19 starb. "Er hatte Videos von meinen Kundgebungen auf seinem Handy. Die Familie sagte mir, er sei ein Fan von mir gewesen. Sie sagten es aber nicht einmal im Zorn. Im Gegenteil. Und das hat mich noch mehr geschmerzt. Ich empfinde diesen Tod als meine Schuld. Und das ärgert mich bis heute."

    "Ich glaube, dass diejenigen von uns, die auf diesen Bühnen standen, einige Menschen auf dem Gewissen haben. Wir alle, die uns nicht impfen ließen, sind große Feiglinge. Wir gingen auf die Plätze, und als wir sprachen, wussten wir, dass die Menschen starke Botschaften hören wollten. Sie haben also immer mehr provoziert", gesteht Pasquale Bacco heute.

    Über viele seiner Aussagen schüttelt der Arzt, der inzwischen für sechs Monate suspendiert wurde, den Kopf. Etwa als er behauptete, dass die Impfstoffe Leitungswasser enthielten oder als er meinte, dass die Särge von Bergamo alle leer gewesen seien. "Wir waren wirklich große Ar***löcher, ich mache keinen Hehl daraus, das ist die Wahrheit. Eines Tages werden wir über diese Dinge Rechenschaft ablegen müssen. Leider." Er wolle deshalb "alle um Verzeihung" bitten – "auch wenn diese Verzeihung nutzlos ist".

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