Schwere Vorwürfe gegen den größten Unterhaltungskonzern der Welt: Die US-Schauspielerin Raquel Lee (39) hat Klage gegen The Walt Disney Company eingereicht. Der Grund reicht mehr als zwei Jahrzehnte zurück.
Am Freitag, dem 21. August, reichte Lee die Zivilklage am Superior Court in Los Angeles ein. Darin wirft sie dem Konzern vor, sie sei mit 14 Jahren am Set des Disney-Channel-Films "The Poof Point" (2001) von einem Mitarbeiter mehrfach sexuell missbraucht worden. Den Namen des mutmaßlichen Täters nennt die Klage nicht, sie spricht von einem "erwachsenen, männlichen Mitarbeiter" mittleren Alters.
Gedreht wurde damals in Salt Lake City. Laut Klage soll der Mann sie dort in einem Hotelzimmer, angeblich unter dem Vorwand, gemeinsam Text zu üben, unter Alkohol gesetzt und missbraucht haben. Weitere Übergriffe soll es auf dem Rückflug nach Kalifornien gegeben haben. Am Set soll er ihr zudem anzügliche Bemerkungen ins Ohr geflüstert haben.
Der zentrale Vorwurf richtet sich aber gegen Disney selbst: Das Studio habe sie von ihrer Aufsichtsperson getrennt, sie ermutigt, Zeit mit dem Mann zu verbringen, und trotz sichtbarer Warnsignale nicht eingegriffen. "Disneys Set war nicht sicher für Kinder", heißt es in der Klageschrift.
Statt der Sache nachzugehen, sollen mehrere Disney-Verantwortliche ihr nach den mutmaßlichen Übergriffen die Schuld gegeben haben. Ihr verändertes Verhalten sei als "außer Kontrolle" abgetan worden, man habe ihr sogar sexuelle Handlungen mit einem Crew-Mitglied vorgeworfen und schließlich eine bereits geplante Rolle gestrichen.
Vertreten wird Lee von Star-Anwalt Doug Wigdor (57), der zuvor unter anderem Cassie Ventura im Verfahren gegen Sean "Diddy" Combs sowie mehrere Frauen im Fall Harvey Weinstein vertrat. Gegenüber "People" erklärten ihre Anwälte, dieses Verhalten sei unentschuldbar und alle Beteiligten müssten zur Verantwortung gezogen werden. Disney wollte sich auf Anfrage nicht äußern.
Möglich wird die Jahrzehnte alte Klage durch ein kalifornisches Gesetz, das Betroffenen von Missbrauch in der Kindheit ein erweitertes Zeitfenster für Zivilklagen einräumt. Einer breiteren Öffentlichkeit wurde Lee zuletzt 2024 durch die Doku "Quiet on Set" bekannt, die die Schattenseiten des Kinderfernsehens beleuchtete.