SMS verschickt

Ex-Soldat aus Wien erbeutet mit Tochter-Trick 8.784 €

Nachdem er verletzungsbedingt abrüsten musste, stürzte ein 23-jähriger Ex-Soldat ab. Er soll zwei Opfer um mehrere Tausend Euro betrogen haben.
Christian Tomsits
09.01.2024, 07:45
Loading...
Angemeldet als Hier findest du deine letzten Kommentare
Alle Kommentare
Meine Kommentare
Sortieren nach:

Kommentare neu laden
Nach oben

Vor nicht allzu langer Zeit verteidigte er noch sein Land mit der Waffe, nun brauchte der mit einem Waffenverbot belegte Ex-Soldat selbst einen Verteidiger: Der gelernte Gardist und Grenzschützer ("Soldat war mein Traumjob") musste am Montag zum Rapport beim Strafrichter. Immerhin trat er pünktlich zu Verhandlungsbeginn um 9 Uhr am Wiener Landesgericht an.

Betrugsmasche aus dem Internet gelernt

Der Vorwurf gegen den 23-Jährigen: schwerer gewerbsmäßiger Betrug. Mit dem sogenannten Tochtertrick soll der in Ägypten geborene junge Mann nach seinem Ausscheiden aus der Armee mehrere ältere Österreicher eiskalt abgezogen haben. "Ich habe mir zwei, drei Videos angeschaut, in denen diese Methode beschrieben wird und es dann einfach ausprobiert. Schon beim ersten Versuch hat es geklappt", gab der Angeklagte vor Gericht zu.

Mit simplen Lock-SMS ("Hallo Mama, mein Handy ist kaputt. Das ist meine neue Handynummer, die kannst du einspeichern. Kannst du mir unter dieser Nummer eine Whatsapp Nachricht schicken?") schrieb er ältere Menschen an und verlangte anschließend Expressüberweisungen über mehrere Tausende Euro. Wortlaut: "Ich muss eine Rechnung überweisen, aber weil das Handy kaputt ist, komme ich nicht bei den Dateien rein… Könntest du das für mich überweisen? Dann überweise ich dir das morgen zurück", so die SMS.

Zwei gutgläubige Opfer zahlten insgesamt 8.784 Euro in mehreren Tranchen an den Angeklagten – vom Geld fehlt jede Spur. Danach habe er weitergemacht und Freunde angesprochen, auf deren Konto das leicht verdiente Geld landen sollte. Eine leichtgläubige Kontoinhaberin musste als mutmaßliche Mittäterin mit ihm auf der Anklagebank Platz nehmen.

"Ich dachte, er sei Soldat und das viele Geld – von dem ich mir einen Betrag behalten durfte – wäre vom Heer gewesen", sagte die junge Frau, die ihr drei Monate altes Baby im Kinderwagen in den Gerichtssaal mitbringen musste. Ihre Kontoauszüge habe sie nicht kontrolliert, meinte sie und wurde im Zweifel freigesprochen. "Sie lief mir einfach über den Weg, ich kannte sie von Partys", meinte der geständige Ex-Soldat. "Ich brauchte das Geld, weil ich wegen einer Handverletzung abrüsten musste und plötzlich kein Einkommen mehr hatte", war der groß gewachsene Mann vor Gericht kleinlaut.

Seine starke Tablettensucht sei schuld am rapiden Absturz gewesen, so sein Anwalt Norbert Piech. "Er weist eine traurige Vita auf", nahm ihn der Verteidiger in Schutz. Er saß bereits vier Monate im Gefängnis, weil er nach dem Ausscheiden aus dem Bundesheer in einem Bekleidungsgeschäft eine Hose gestohlen hatte. Nun bekam er weitere 12 Monate unbedingte Haft aufgebrummt und eine Drogentherapie – nicht rechtskräftig.

Die Bilder des Tages:

Nur 12 Monate Haft für Wiener

"Ein mildes Urteil", war sein Anwalt zufrieden – gut möglich, dass sein Mandant die verhängte Haftstrafe bei einem erfolgreich absolvierten Entzug nicht mehr antreten muss. Die offenen Schadenssummen wurden den Opfern zugesprochen. Die 8.8784 Euro und 22 Cent will der 23-Jährige zurückzahlen. Wie? "Ich werde nach der Therapie auf der Baustelle anfangen und möchte dann Elektriker werden", versprach er – großes (Ex)Soldaten-Ehrenwort!

{title && {title} } ct, {title && {title} } 09.01.2024, 07:45
Jetzt E-Paper lesen