Vor wenigen Tagen sorgte Reinhold Mitterlehner mit einem brisanten Geständnis für Aufsehen. Der ehemalige Vizekanzler der Volkspartei übte vor der anstehenden EU-Wahl scharfe Kritik an seiner Partei und überlegt sogar, seine Stimme den NEOS zu geben. "Ich bin stark am Überlegen, ob du, Helmut, nicht eine Stimme kriegst von mir", zitierte NEOS-Spitzenkandidat Helmut Brandstätter den ehemaligen Politiker in den Sozialen Medien. Denn: "Die ÖVP ist wirklich nicht mehr so Europa-orientiert."
Der Wahlentscheidung Mitterlehner könnte sich nun offenbar auch ein ehemaliger SPÖ-Minister anschließen. Denn auch Ex-Finanzminister Hannes Androsch zieht eine Stimme für die NEOS durchaus in Erwägung. "In Österreich möchte ich die NEOS mit ihrem Spitzenkandidaten Helmut Brandstätter positiv erwähnen", erklärt der 86-Jährige gegenüber der "Tiroler Tageszeitung".
Außerdem übt der Partei-Grande Kritik am Umgang der anderen Parteien mit der Europäischen Union. "Die anderen Parteien sind entweder mehr oder weniger Europa- und NATO-feindlich oder eben überhaupt nicht ernst zu nehmen", klagt Androsch.
Dass der Wiener nicht immer hinter den jüngsten Entwicklungen der SPÖ steht, wurde erst vergangenes Jahr deutlich. Damals übte der Ex-Minister heftige Kritik am "Linkskurs" unter Parteichef Andreas Babler. Die Pläne der Partei bezeichnete er als "ideologischen Träumereien".