Ex-Vizepräsident Ägyptens "flüchtete" nach Wien

Bild: AP

Der ägyptische Ex-Vizepräsident Mohammed ElBaradei ist am Sonntagnachmittag mit einem Flugzeug aus Kairo in Wien angekommen. Er wurde von den Sicherheitskräften des Flughafens an der in der Ankunftshalle wartenden Journalistenmenge vorbeigeschleust und daraufhin direkt in seine Wohnung in der Wiener Innenstadt gebracht. Er wollte bei seiner Ankunft keine Erklärungen abgeben.

Am Wiener Flughafen hatten sich mehrere Kamerateams und Journalisten versammelt, die auf die Egypt Air Maschine aus Kairo warteten. Das Linienflugzeug (Flug MS 797) landete um 16.03 Uhr mit etwas mehr als 90-minütiger Verspätung. Es hatte sich auch zumindest ein Sympathisant der Muslimbrüder in die Menge gemischt. "Die Europäer haben ihm den Friedensnobelpreis gegeben, aber er ist ein Massenmörder", sagte der Mann der sein Smartphone bereithielt, um ein Foto von ElBaradei zu machen.

Schwer bewaffnete Polizei

Kurzzeitig waren drei schwer bewaffnete und mit Schutzwesten ausgestattete Flughafenpolizisten vor dem Ausgang zur Ankunftshalle. Doch dürfte ihre Anwesenheit nur dazu gedient haben, um die auf ElBaradei wartende Menge an Ort und Stelle zu halten.

ElBaradei besitzt als früherer Generaldirektor der Internationalen Atomenergieorganisation (IAEO) in Wien noch eine Wohnung. Er hatte am Mittwoch seinen Rücktritt als ägyptischer Vizepräsident eingereicht, aus Protest gegen die Gewalteskalation. , hunderte Menschen kamen dabei ums Leben.

El Baradei verschwand wortlos in seiner Wohnung

ElBaradei hatte bereits im Jahr 2011 für den Sturz des Langzeitdiktators Hosni Mubarak gekämpft und sich danach kritisch zu den Tendenzen zur Errichtung eines islamistischen Regimes unter Mursi geäußert. Sein Rückhalt in der ägyptischen Bevölkerung gilt als gering. In einem ORF-Interview im Dezember des Vorjahres hatte ElBaradei gesagt, dass er seiner Heimat auf dem Übergang zur Demokratie helfen wolle, danach aber nach Wien zurückkehren und seine Wohnung in der Wiener Innenstadt "genießen wolle". Dieser Zeitpunkt scheint nun offenbar gekommen.

Auch als er vor seinem Wohnhaus vorfuhr, wollte sich ElBaradei nicht öffentlich äußern. Er verschwand sogleich im Inneren des Gebäudes.

Ägypter von westlicher Kritik unbeeindruckt

Die ägyptische Regierung zeigt sich unbeeindruckt von westlicher Kritik an ihrem harten Vorgehen gegen die Muslimbruderschaft. Außenminister Nabil Fahmi sagte am Sonntag vor Journalisten in Kairo, die Regierung habe die Aufgabe, "Recht und Ordnung durchzusetzen". Die Muslimbruderschaft stellte für Nachmittag weitere Proteste in Aussicht, sagte die geplante Kundgebung dann aber doch ab. Die Protestaktion müsse "aus Sicherheitsgründen" ausfallen hieß es.

Außenminister Nabil Fahmi betonte, die ägyptische Regierung werde sich auch durch die Streichung von Entwicklungshilfeprojekten nicht von ihrem Kurs abbringen lassen. "Wir lehnen alle Drohungen, Hilfen zu streichen, ab." Mehrere EU-Staaten haben bereits Finanzhilfen für staatliche Entwicklungsprojekte auf Eis gelegt. für das arabische Land.

EU fordert Zurückhaltung

Nach ägyptischen Regierungsangaben warb Fahmi in Telefongesprächen mit der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton und den Außenministern von Deutschland, Frankreich und Bahrain für die Position Kairos. Er erklärte, dass bewaffnete Gruppen in Ägypten begonnen hätten, die Bevölkerung zu "terrorisieren".

EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy und Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso kündigten am Sonntag an, dass die EU ihre Beziehungen zu Ägypten "überprüfen" und "Maßnahmen ergreifen" werde. Die beiden EU-Spitzen forderten alle Seiten in dem nordafrikanischen Land zu Zurückhaltung auf.

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