Experte: "Die Verkehrspolitik ist Murks"

Seit 20 Jahren, seit der Grenzöffnung zu Tschechien, versprechen Niederösterreichs Politiker die Revitalisierung der Strecke. Doch die Gleise rotten in der Landschaft vor sich hin - und auf dem letzten befahrenen Gleisstück kommen ab 2011 Busse. Weil es laut Land vernünftiger und billiger ist. Experten halten das für blanke Lüge.

Im Dezember soll zwischen Schwarzenau und Waidhofen an der Thaya (Waldviertel) der letzte Zug fahren. Ab dem Frühling gibt es dann - allen Versprechen zum Trotz - nur mehr Busse.
Die Argumente des Landes: Diese Lösung sei vernünftiger, denn die Busse führen dann bis über die Grenze nach Tschechien. Außerdem sei es billiger: Laut Verkehrslandesrat Johann Heuras kostet der Busbetrieb 100.000 Euro pro Jahr, die Wiederherstellung der Bahnstrecke hingegen würde mit knapp 30 Millionen zu Buche schlagen.
Für Verkehrsexperten Harald Frey von der TU Wien sind diese Argumente Nonsens. Der jahrzehntelange Streit um die Thayatalbahn ist für ihn Sittenbild einer völlig konzeptlosen und kurzsichtigen Verkehrspolitik. Mache man weiter wie bisher, drohe bereits in zehn Jahren der Kostenkollaps. Busse und Straßenausbau statt Bahn ist für Frey das Falscheste, was man überhaupt machen kann. Sowohl ökonomisch, als auch ökologisch. Denn:
- Langfristig kosten Straßenerhaltung und Busbetrieb ein Vielfaches der einmaligen Investitionen in eine funktionierende Bahnverbindung. Denn die Treibstoffpreise werden laut Frey weiter steigen. Zusätzlich sei mit Strafzahlungen durch den verkehrsbedingten, erhöhten CO2-Ausstoß zu rechnen.
- Und, das wichtigste Argument des Verkehrsexperten: die Lebensqualität der künftigen Generationen, Stichwort Klimawandel. Frey, keck: Wir brauchen Politiker in Niederösterreich, die intelligenter sind als eine Klospülung. Die weiß wenigstens, wann es genug ist. Lisa Steiner

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