Wie stark steigt denn die Inflation noch? Diese Frage stellte ORF-Moderator Martin Thür Montagnacht stellvertretend für alle besorgten Österreicher zwei Experten – Arbeiterkammer-Chefökonom Markus Marterbauer und Eco-Austria-Direktorin Monika Köppl-Turyna – im Studio der ZIB2.
Diese hatten keine rosigen Aussichten in petto: Der Höhepunkt der Teuerung werde erst in den nächsten Monaten erwartet, sagte Marterbauer. Die Inflation werde auf "8 Prozent oder mehr" steigen, dann werde es voraussichtlich einen "sehr langsamen Rückgang" geben.
Auch Köppl-Turyna geht davon aus, dass die Preise noch länger höher bleiben. Besonders Strom und Gas seien die Preistreiber und werden es auch noch länger bleiben. Das sei besonders für alle Österreicher mit niedrigem Einkommen ein riesiges Problem, darin sind sich beide einig.
Im unteren Einkommensdritten, das sind rund 1,3 Millionen Haushalte, müsse wegen der Energiepreise bereits anderweitig stark gespart werden. Das sei ein "massiver Wohlstandsverlust", rechnet der AK-Experte im Studio vor. "Das sind wir von der Armutsgefährdungsgrenze pro Monat nur 200 bis 400 Euro entfernt". Dort müsse man deshalb die ersten Maßnahmen setzen. Die Einmalzahlungen der Regierung hätten vielleicht für einen Monat gereicht, aber jetzt brauche es dauerhafte Entlastung.
Die kalte Progression müsse ebenso unbedingt ausgeglichen werden, doch erst sei die Armutsbekämpfung dran, "weil sonst die Armut explodiert". "Da hat [die Regierung] schon ganz viel Zeit versäumt".
Marterbauer denkt dabei an die Einführung von 1.700 Euro Mindestlohn ("Was die Deutschen können, schaffen wir auch") und einen Inflationsausgleich bei kommenden Lohnrunden, damit die Kaufkraft im Land erhalten bleibt. Bei Strom- und Gas- seien unterdessen "Eingriffe in die Märkte unbedingt notwendig", etwa durch eine Preisdeckelung auf Gas. "Niedrige Stromkosten brauchen wir unbedingt". Auch von einer Mehrwertsteuerkürzung im Lebensmittelbereich verspricht er sich eine Entlastung.
Für die Eco-Austria-Direktorin sind nicht all diese Maßnahmen treffsicher. Sie warnt, dass solche Entlastungen wie eine Mehrwertsteuersenkung oder etwa Spritpreisdeckelungen in Ungarn eher noch die Preise treiben könnten bzw. aus einer Umweltperspektive ein falsches Signal seien. "Wir wollen uns von fossiler Energie verabschieden, ein künstlicher Deckel erzeugt hier nur noch mehr Nachfrage." Die Konsumenten würden zwar etwa beim Tanken weniger zahlen, doch der Staat müsse das fehlende Geld zuschießen.
Sie will den Ärmsten lieber über die Notstandshilfe und ähnliche Instrumente Geld zukommen lassen und die Lohnnebenkosten senken, damit die Produktion in Österreich wieder billiger wird. Lohnerhöhungen hält sie aber für den falschen Weg: "Müssen schauen, dass es zu keiner Lohn-Preis-Spirale kommt". Der AK-Vertreter hält dagegen: "Die Löhne reagieren nur auf die Preise und machen sie nicht."
Zumindest über die Abschaffung der kalten Progression sind sich beide wieder einig – allerdings nicht bei Zeitpunkt und dem Ausmaß der zu erwarteten Erleichterung für die Österreicher.