Experte kritisiert Urteil gegen Grazer Amokfahrer

Alen R. wird für seine Amokfahrt vom Juni 2015 lebenslang in Haft kommen - entschieden haben das acht Geschworene (nicht rechtskräftig). Dass sie beurteilen mussten, ob der Beschuldigte bei seiner Tat zurechnungsfähig war, sorgt jetzt für Diskussionen.

Die Experten waren sich nicht einig, die Geschworenen schon: Alen R. wusste bei seiner Amokfahrt, was er tat. "Es ist ein Problem, dass Laien über eine medizinische Diagnose entscheiden müssen", kritisierte nun Gerichtspsychiater Reinhard Haller den Prozess in Graz. Schließlich würde man, wenn Mediziner sich nicht einig wären, ob ein Patient Lungenkrebs oder nur eine Entzündung hat, auch keine Laien von der Straße entscheiden lassen, sagte Haller am Donnerstag in der ZiB 2.

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Psychiater waren großteils einig

Die Expertenmeinung sei zudem weniger unterschiedlich, als in den Medien dargestellt. Alle Psychiater, die Alen R. wenige Stunden nach seiner Tat und über die Monate danach begleitet hatten, beurteilten ihn als unzurechnungsfähig. Nur eine Psychologin, "die noch nie einen Schizophrenen behandelt hat" und ein Psychiater mit dem Schwerpunkt Neurologie seien zu anderen Schlüssen gekommen. Haller: "Es wurde hier nicht darüber abgestimmt, ob der Beschuldigte schizophren oder zurechnungsfähig ist, sondern darüber, ob jemand, der eine so furchtbare Tat begeht, überhaupt exkulpiert (von der Schuld befreit, Anm.) werden kann."

Auch Verteidigerin Liane Hirschbrich sagte nach dem Urteil zu Medien: "Spätestens jetzt ist zu hinterfragen, ob die Geschworenen, die medizinische und juristische Laien sind, zu entscheiden haben, ob ein Psychiater oder ein Psychologe die richtige Diagnose gestellt hat." 

Reinhard Haller hatte R. im Auftrag der Verteidigung begutachtet, war aber keiner der Experten im Gerichtsverfahren.

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