Experte: "Müssen mit Corona-Pleitewelle rechnen"

Gabriel Felbermayr leitet in Kiel das Institut für Weltwirtschaft.
Gabriel Felbermayr leitet in Kiel das Institut für Weltwirtschaft.Screenshot ORF
Der Wirtschafts-Experte Gabriel Felbermayr sprach in der "ZiB2" über die wirtschaftliche Lage in Österreich.

Der Wirtschaftseinbruch im Jahr 2020 betrug in Folge der Corona-Krise in der EU -6,3 Prozent, in Österreich sogar -7,4 Prozent. Dazu war Gabriel Felbermayr, der in Kiel das Institut für Weltwirtschaft leitet, am Freitagabend in der "ZiB2" bei Lou Lorenz-Dittlbacher zu Gast.

Felbermayr: "Das letzte Jahr war sicherlich zweigeteilt, das letzte Quartal war in Österreich verheerend. Das hat ganz stark mit dem Tourismus zu tun. Es ist eine gemischt Bilanz, würde ich sagen. Aber: Abgerechnet wird am Schluss. Wir müssen uns gedulden." Denn: Im Sommer vermutet der Experte einen Bonus in Österreich wegen des Tourismus.

"Jojo-Taktik nicht wirklich gut"

Ist es besser, einen langen Lockdown zu verfügen oder immer wieder zu- und wieder aufzusperren? "Eine Jojo-Taktik ist nicht wirklich gut. Wir brauchen eine klügere Taktik. Das Testen ist die richtige Strategie. Flächendeckend zumachen und wieder aufsperren ist wirtschaftlich nicht effektiv. Mit regionalen Maßnahmen kann man schonender agieren."

Über die Staatsschulden sagt er: "Österreich kann sich zu sehr guten Konditionen verschulden. Aktuell gibt es keine Bedrohung, aber es ist so, dass die Schulden steigen und der politische Spielraum für die nächsten Jahre kleiner wird."

Pleitewelle?

Etwa eine halbe Million Menschen in Österreich ist arbeitslos, eine weitere halbe Million in Kurzarbeit. "Es ist die große Aufgabe, am Arbeitsmarkt für Dynamik zu sorgen. Wenn man jetzt wieder aufmacht, wo es geht, wird das auf dem Arbeitsmarkt für Erleichterung sorgen", so der Wirtschafts-Experte. "Die wirtschaftliche Belebung wird dafür sorgen, dass die Kurarbeit zurückgeht. Je mehr Aktivität es gibt, desto weniger Kurzarbeit ist nötig. Man muss überlegen, was man mit jenen Menschen macht, deren Betriebe nach der Krise nicht in voller Größe zurückkehren. Der Staat kann aber nicht alles retten. Wir werden uns darauf einstellen müssen, dass die Arbeitslosigkeit eine Weile höher sein wird als gewohnt."

Steht eine Pleitewelle bevor? "Ich denke, dass wir damit rechnen müssen. Die Politik sollte sich darauf vorbereiten. Hotels und Veranstaltungsunternehmen werden von größeren übernommen werden, die besser durch die Krise gekommen sind."

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