Der große Liga-Check

Experte zerlegt Top-Trainer: "Fehlbesetzung bei Rapid"

Fünf Liga-Topklubs, fünf völlig unterschiedliche Trainertypen. Rhetorik-Experte Roman Braun erklärt "Heute", wer seine Spieler wirklich erreicht.
Sebastian Klein
14.08.2026, 14:36
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Roman Braun beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit der Frage, wie Menschen führen, kommunizieren und andere zu Höchstleistungen bringen. Der Rhetorik- und Kommunikationsexperte coacht neben Top-Managern auch Spitzensportler, arbeitete unter anderem mit Ex-Skistar Rainer Schönfelder oder Hoffenheim-Trainer Christian Ilzer.

Für "Heute" analysiert der Wiener die Trainer der fünf großen österreichischen Klubs und nimmt sie genauer unter die Lupe: Danny Röhl bei Salzburg, Didi Kühbauer beim LASK, Johannes Hoff Thorup bei Rapid, Stephan Helm bei der Austria und Fabio Ingolitsch bei Sturm. Nicht ihre Formationen und taktischen Kniffe stehen dabei im Mittelpunkt, sondern ihre Sprache, Körpersprache und Menschenführung. Und vor allem die Frage, welcher Trainertyp zu seinem Klub und seinen Spielern passt.

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Rapid – Hoff Thorup und die Gefahr der fehlenden Nähe

Hoff Thorup ist für Braun von allen fünf Trainern der sachlichste – und genau darin sieht der Kommunikationsexperte gleichzeitig dessen Stärke und größte Gefahr. Der Däne sei ein ruhiger Typ, bringe sehr gute Konzepte in eine Mannschaft und könne dadurch gerade zu Beginn schnell Erfolge erzielen. "Für Rapid halte ich ihn dennoch für eine Fehlbesetzung", sagt Braun, der von einem möglichen Beispiel für "Toxic Leadership" spricht. Was ist gemeint? "Viel Sachkompetenz, aber zu wenig Augenmerk auf die soziale Ebene."

Braun präzisiert: "Ein guter Trainer spürt jeden Spieler anders und weiß auch, dass er die jeweils anders anpacken muss." Gerade Fußballer würden erwarten, vom Trainer persönlich wahrgenommen zu werden. Passiere das nicht, gehe irgendwann der Kontakt verloren. Damit könne eine Abwärtsspirale beginnen. Bei Hoff Thorup erkennt Braun dieses Risiko auch aus dessen Kommunikation: stark strukturierte Sprache, kaum Füllwörter oder emotionale Verstärker, abstrakte Begriffe und wenig Bewegung in der Körpersprache. "Er antwortet sachlich, emotionalisiert nicht."

Steckbrief - Dr. Roman Braun

Ausbildung: Studium der Psychologie, Philosophie und Pädagogik, Master in Entwicklungswissenschaft

offizieller Rhetorik-Trainer der österreichischen Olympia-Sportler

Mentalcoach von Weltcupsiegern, Spitzenpolitikern und Weltmeistern

Das könne so lange funktionieren, wie die Spieler seine Ideen aufnehmen und umsetzen. Geschieht das nicht, sieht Braun die Gefahr, dass bei Hoff Thorup selbst die Frustration steigt: "Dann ärgert er sich über Spieler, die das nicht verstehen und nicht umsetzen können." Eine ähnliche Entwicklung will Braun bereits bei dessen Zeit in Norwich erkannt haben.

Bei Rapid komme eine zusätzliche Besonderheit dazu. Der Klub sei für Braun ein enormes "Politikum" und brauche neben sportlicher Kompetenz auch Trainer, die die emotionale Dimension des Vereins verstehen. "Du brauchst auch die richtigen Rapidler in der Mannschaft. Wenn du die nicht mehr hast, dann läuft alles aus dem Ruder." Seine klare Prognose für Hoff Thorup ist deshalb skeptisch: "Ich glaube, er wird den Griff verlieren."

LASK – Kühbauer führt "von Herz zu Herz"

Am anderen Ende des Spektrums stehe Kühbauer. Während Hoff Thorup stark über Sachlichkeit komme, seien bei Kühbauer Sprache und Körpersprache zu einem großen Teil emotional. Er variiere sein Redetempo, zeige seine Stimmung offen und schaffe dadurch genau jene Verbindung, die Braun im Fußball für besonders wichtig hält. "Man kann nur auf der Ebene der Emotionen wirklich Kontakt zu jemandem aufbauen. Das geht nicht nur von Hirn zu Hirn, sondern das muss von Herz zu Herz oder vom Bauch zu Bauch gehen."

Kühbauers große Stärke ist für Braun seine Glaubwürdigkeit gegenüber den Spielern. Er wirke erdig, kenne den Profifußball aus eigener Erfahrung und vermittle seinen Kickern dadurch das Gefühl, genau zu wissen, was er von ihnen verlangt. "Muss ein Spieler eine Extrarunde absolvieren, ist es für Spieler leichter, die denken: Der Trainer weiß, wie weh das jetzt tut."

Dazu passe Kühbauers demonstrativ ungekünstelte Sprache. Während andere von "Umschaltsituationen" sprechen, bleibe Kühbauer beim "Konter". Braun imponiert der spontane Schmäh des Burgenländers. Sein "Oldschool-Image" sei keine Schwäche: "Das kommt beim Fußballer halt sehr gut an."

Die Kehrseite: Kühbauers Emotionalität ist für Braun stark reaktiv. Läuft es gut, könne sich die positive Dynamik enorm verstärken. Dreht sich die Stimmung, drohe aber dasselbe in die Gegenrichtung. Zudem brauche Kühbauer einen Sportdirektor und ein Management, das ihm die passenden Spieler zur Verfügung stellt und hinter ihm steht. Braun verweist dabei auf Kühbauers Ende bei Rapid und die damaligen Konflikte mit Zoran Barisic. Beim LASK seien diese Voraussetzungen derzeit gegeben: "Wenn man für den Typ Kühbauer den richtigen Kontext schafft, dann funktioniert er gut."

Sturm – Ingolitsch verbindet Kopf und Emotion

Ingolitsch traut Braun von den fünf Trainern besonders viel Entwicklungspotenzial zu. Sein durchaus konfrontativer Start bei Sturm – inklusive öffentlicher Kritik an Spielern – sei nicht zwangsläufig ein unkontrolliertes Risiko gewesen. Braun vermutet dahinter vielmehr bewusstes Kalkül. Als neuer Trainer müsse Ingolitsch innerhalb einer Mannschaft zunächst die entscheidenden Führungsspieler gewinnen. "Wenn das nicht funktioniert, dann kriegst du die ganze Mannschaft nicht."

Eine Möglichkeit sei deshalb, von Beginn an klare Grenzen zu setzen. Braun beschreibt die Botschaft dahinter so: "Ich setze eine harte Leitplanke und bin auch bereit, Tacheles zu reden." Gelinge es Ingolitsch, mit diesem Auftreten die wichtigen Figuren innerhalb des Teams zu überzeugen, könne dieser Ansatz sehr gut funktionieren.

In seiner Kommunikation erkennt Braun zudem Parallelen zu Ex-Double-Trainer Ilzer, den Ingolitsch selbst als Vorbild bezeichnet hat. Ingolitsch verwende eine metaphernreiche Sprache, sei aufgrund seiner akademischen Ausbildung gleichzeitig aber auch ein intellektueller und reflektierter Trainertyp. "Da ist sehr viel Berechnung dabei, sehr viel Kalkül." Genau darin sieht Braun einen entscheidenden Vorteil: Ein reflektierter Trainer habe die Chance, aus früheren Fehlschlägen tatsächlich zu lernen.

Für Braun bringt Ingolitsch deshalb eine wertvolle Mischung mit. "Er schafft es auch sowohl intellektuell als auch emotional." Dass beide Dimensionen entscheidend seien, habe er offenbar verstanden. Auch die bisherige Arbeit mit jungen Spielern bestärkt Braun in seiner Einschätzung: "Also der hat gute Chancen."

Austria – Helm als "typischer CFO"

Helm erinnert Braun weniger an den klassischen emotionalen Fußballtrainer als an einen Manager aus der Wirtschaft. "Wenn das auch der Vorstand von einem großen Unternehmen wäre, würde ich sagen: der typische CFO." Helm sei ein analytischer, introvertierter Typ, der Situationen auf einer Meta-Ebene betrachte und seine Aussagen stark reflektiere. Braun zweifelt deshalb nicht daran, dass Helm viel vom Fußball versteht. Die entscheidende Frage sei vielmehr, ob er seine Erkenntnisse in den entscheidenden Momenten auch emotional zur Mannschaft transportieren kann.

Speziell bei der Austria ist diese Frage besonders interessant. Helm arbeitet einerseits mit zahlreichen sehr jungen Spielern, gleichzeitig betreut er Routiniers wie Aleksandar Dragovic oder Reinhold Ranftl. Für die Jungen könne seine Art durchaus passen. Eine Schlüsselrolle schreibt Braun dabei Dragovic zu. "Wenn man den nicht an Bord hat, ist es schwierig." Gelingt es Helm, solche Führungspersönlichkeiten mitzunehmen, könne sein Ansatz funktionieren.

Die größere Frage stellt sich für Braun aber in jenen Momenten, in denen nicht Entwicklung, sondern unmittelbare maximale Leistung gefragt ist: Kann Helm "im entscheidenden Moment den Biss zusammenbringen" und die gesamte Mannschaft auf ein gemeinsames Ziel fokussieren?

Die schwierigen vergangenen Jahre der Austria könnten Helm dabei paradoxerweise helfen. Die Erwartungen seien niedriger, der Klub müsse zunächst wieder Substanz aufbauen. Für genau diese Aufbauarbeit hält Braun ihn für geeignet. Seine Einschränkung fällt allerdings deutlich aus: "Er wird nicht der Trainer sein, der im entscheidenden Match 110 Prozent herausholt von der Mannschaft."

Salzburg – Röhl und das Problem mit der "Karotte"

Auch Röhl zählt der Experte zu den introvertierten Trainertypen. Seine Sprache sei auffallend einfach, mit kurzen Sätzen und vielen Pausen, sein Auftreten beinahe schüchtern. Braun kann sich vorstellen, dass ein solcher Typ innerhalb der Red-Bull-Strukturen als Manager gut funktioniert. Als Cheftrainer bei Salzburg hat er dagegen erhebliche Zweifel.

Röhls bisherige Stärke sieht Braun vor allem in schwierigen Situationen. Er bezeichnet ihn als eine Art "Sanierer" und erklärt das anhand von zwei unterschiedlichen Formen der Motivation: Appetenz und Aversion – vereinfacht gesagt die Karotte vor der Nase oder der Stock im Rücken. Röhl sei stärker auf der Seite der Aversion. "Wenn es wirklich hart wird und Not am Mann ist, dann muss er aus sich herausgehen und wird dort Energie liefern."

Genau darin sieht Braun aber das Salzburger Problem. Viele junge Spieler kommen nicht in erster Linie nach Salzburg, weil sie einen Klub aus einer Krise führen wollen. Sie verfolgen individuelle Karriereziele, wollen sich entwickeln und den nächsten Schritt machen. Sie orientieren sich damit stärker an der "Karotte". Einen solchen Spieler müsse ein Trainer davon überzeugen können, dass ihn ein weiteres Jahr im Klub persönlich entscheidend weiterbringt. Braun bezweifelt, dass diese offensive Motivationsarbeit zu Röhls natürlichem Führungsstil passt.

"Man braucht hier einen Trainer, der offensiver kommuniziert, der als Motivator ernst zu nehmen ist." Seine Einschätzung für Salzburg fällt daher ausgesprochen hart aus. Es würde ihn nicht wundern, wenn Röhl ähnlich kurz bleibe wie manche seiner Vorgänger. Und auf die Titelchancen angesprochen sagt Braun sogar: "Würde mich sehr überraschen, wenn sie auch nur ernsthaft an einem Titel mitspielen würden."

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