Experten erklären, wie es in Afghanistan weitergeht

Taliban-Kämpfer in Kabul
Taliban-Kämpfer in KabulHOSHANG HASHIMI / AFP / picturedesk.com
Die USA haben ihren Truppenabzug aus Afghanistan abgeschlossen. Experten sprachen in der "ZiB2" über die Zukunft des Landes.

Nach knapp 20 Jahren hat die USA ihren Einsatz in Afghanistan beendet. Die Taliban feierten mit einem Feuerwerk. Eine letzte US-Militärmaschine hob in der Nacht zum Dienstag vom Flughafen der afghanischen Hauptstadt Kabul ab.

Biden rechtfertigt Abzug aus Afghanistan

Der Abzug der westlichen Truppen war schon seit Monaten absehbar. Ein Taliban-Sprecher betonte, dass sie Frieden wollen und niemand sich vor ihnen fürchten müsse.

US-Präsident Joe Biden hat am Dienstag in einer Rede seine heftig kritisierte Strategie zum Abzug der USA aus Afghanistan verteidigt: "Es war an der Zeit, diesen Krieg zu beenden“, so der 78-Jährige. Der Truppenabzug zum 31. August sei nicht auf eine "willkürliche Frist" zurückzuführen, sagte Biden bei der Ansprache im Weißen Haus. "Sie war so ausgelegt, um amerikanische Leben zu retten." Er habe den Krieg nicht ewig verlängern wollen. Und er habe auch den Abzug nicht ewig verlängern wollen.

Joe Biden
Joe BidenBRENDAN SMIALOWSKI / AFP / picturedesk.com

Für Joe Biden sei dieser nicht-geordnete Rückzug der "größte anzunehmende Unfall", erklärte Politikwissenschaftler Michael Werz in der "ZiB2".

Afghanistan-Expertin Magdalena Kirchner ist überzeugt, dass die Taliban in vielen Gebieten militärisch auftreten werden. In einigen Gebieten. "Das Land ist vom Krieg gebeutelt, die Menschen sind schwach", so die Expertin.

Taliban zeigen sich offener

Bislang hat sich die Terror-Gruppe nicht zu Demokratie oder Wahlen bekannt. "Es gibt eine Sache, die die Taliban aus den 1990er Jahren wiederholen, nämlich sich als Partei von Recht und Ordnung darzustellen. Das wird in Afghanistan auch anerkannt", meint Kirchner.

Sie haben gelernt mit der internationalen Gemeinschaft zu sprechen. "Sie machen nun eine Politik der Kontinuität, so haben sie ja auch versucht Minister aus der ehemaligen Regierung zu halten. Zwar sorgen sie dafür, dass sie in  Schlüsselpositionen sind, sie zeigen sich aber offener als früher", erklärt die Expertin. Schließlich sind sie vom Ausland abhängig.

Fest steht, dass der Aufbau eines modernen Staatswesens gescheitert ist. Ob Afghanistan eine Basis für islamistischen Terror bleibt, ist offen.

Comment Jetzt kommentieren Arrow-Right
Nav-Account red Time| Akt:
AfghanistanTaliban

ThemaWeiterlesen