Anlässlich ihres Arbeitsbesuchs in Ägypten berieten sich Außenminister Alexander Schallenberg (VP) und Innenminister Gerhard Karner (VP) mit einer hochkarätigen Expertenrunde zum Thema illegale Migration nach Europa. Laurent de Beck, Missionschef der International Organization for Migration der UNO, Naela Gabr des Nationalen Koordinations-Komitee zur Verhinderung und Bekämpfung illegaler Migration und Menschenhandel, Praveel Agrawal vom World Food Program und Abdul Hakim Elwaer der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen schlagen Alarm.
Die Experten warnen vor einer potenziellen Flüchtlingswelle nach Europa. Ägypten ist eine Drehscheibe für Schlepper, doch viele Flüchtlinge bleiben auch im Land. Aktuell befinden sich laut offiziellen Zahlen rund 6 Millionen Flüchtlinge aus umliegenden Ländern in Ägypten. Durch den Angriffskrieg von Russland auf die Ukraine droht sich die Lebenssituation in Ägypten drastisch zu verschlechtern. Ägypten bezieht über 80 Prozent seines Getreides aus der Ukraine und aus Russland. Versiegt diese Zufuhr, droht eine Hungersnot.
Noch ist es nicht so weit, beruhigen die Experten. Bis Ende des Jahres seien die Speicher noch gefüllt. In der Corona-Krise habe man gelernt, vorzusorgen – ein glücklicher Zufall im Angesicht der Situation mit der Ukraine. Dennoch kommt es zu einer drastischen Teuerung bei der Grundversorgung. Der Weizenpreis in Ägypten habe sich bereits verdoppelt.
Nicht nur der direkte Import von Lebensmitteln stellt ein Problem dar. Auch Dünger und Wasser drohen knapp zu werden. Die Regierung bemüht sich, die heimische Landwirtschaft zu subventionieren. Bauern sind aufgefordert, mehr zu produzieren – durch die Wasser- und Düngerknappheit ist dies jedoch kaum möglich.
Auch die hohe Jugendarbeitslosigkeit bereitet Sorge. Ungefähr 2 Millionen junge Menschen treten jährlich in Ägypten in den Arbeitsmarkt ein, sie müssen sich nur rund 600.000 Jobs teilen. Job-Offensiven in den umliegenden Ländern, insbesondere Libyen, sollen illegaler Migration nach Europa vorbeugen.