"F1 2020" im Test: (welt-)meisterliche Triumphfahrt

Mit "F1 2020" liefert Codemasters eines der besten Rennspiele aller Zeiten und lässt die Herzen der Fans auf und abseits der Strecke höher schlagen.

Mehrere Monate lang mussten Formel-1-Fans aufgrund der Corona-Pandemie auf heiße Rad-an-Rad-Duelle, Überholmanöver am Rande des Nervenkitzels und strategische Genie-Streiche von Ferrari, Mercedes, Red Bull Racing und Co. verzichten. Mit dem Grand Prix von Österreich startete die Formel 1 nun aber am 5. Juli endlich in die Saison 2020.

Und nur wenige Tage nach dem "Geisterrennen" in Spielberg lässt auch Codemasters die Rennboliden in "F1 2020" endlich wieder aus der Garage. Und wie! Denn für den 70. Geburtstag der Königsklasse des Motorsports hat sich der britische Entwickler für die F1-Fanatiker gleich ein paar ganz besondere Geschenke und Renn-Schmankerl einfallen lassen. So feiert nicht nur etwa der beliebte "Splitscreen"-Modus sein großes Comeback, sondern auch der "My Team"-Modus sein langersehntes Debüt.

Neben einer zehn Jahre lang dauernden Karriere als Rennfahrer können Spieler in "F1 2020" also erstmals auch in die Rolle eines Team-Managers bzw. -Besitzers schlüpfen, ihren ganz eigenen Rennstall kreieren und mit Ferrari, Mercedes, Red Bull Racing, McLaren, Renault, Alfa Romeo Racing, Alpha Tauri, Racing Point, Haas und Williams als elftes Team um die Spitze des Feldes kämpfen. Und dabei beweist Codemasters ganz viel Liebe zum Detail!

Mit dem eigenen Team zum Erfolg

So haben F1-Fans bei der Gestaltung ihres Teams völlig freie Hand und können Name, Logo, Auto-Lackierung, Team-Farbe und Sponsoren frei wählen. Auch die Wahl des Motors muss als Team-Manager natürlich gut überlegt sein. Hier müssen sich Spieler zwischen den vier offiziellen Lieferanten Ferrari, Mercedes, Honda und Renault entscheiden. Besonders fein: Der fertige Rennwagen wird dann bei einem Event vor Saisonbeginn präsentiert – wie in der realen Formel 1 eben!

Der Weg an die Spitze des Motorsports ist aber nicht nur unglaublich lang, sondern auch unglaublich schwer. Denn wer jetzt glaubt mit seinem neuen Team gleich die Formel 1 aufmischen und auf den Kopf stellen zu können, der irrt. Zu Beginn ist man nämlich von einem Budget eines Topteams a là Ferrari, Mercedes oder Red Bull noch weit entfernt. Zwar greifen fiktive Sponsoren dem Team dankenswerterweise unter die Arme bzw. Räder, doch aller Anfang ist schwer und die finanzielle Unterstützung hält sich am Anfang noch in Grenzen.

Stattdessen muss man sich das große Geld erst mit guten Leistungen auf und mit richtigen Entscheidungen neben der Strecke verdienen, um mit den anderen Rennställen um die WM-Krone mitkämpfen zu können. Eine nicht unwesentliche Rolle im Zweikampf spielt dabei der Überholknopf, mit dem Spieler mehr Leistung abrufen und ihre Gegner auch an unüblichen Stellen der Strecke überraschen können. Doch im "My Team"-Modus dreht man eben nicht nur als eigener Fahrer seine Runden auf den schönsten Rennkursen der Welt, sondern ist als Team-Manager auch maßgeblich für die Entwicklung des Autos, Personalentscheidungen, die Organisation des Teams, das Marketing und die PR-Touren der Fahrer sowie die Verteilung finanzieller Ressourcen verantwortlich.

Dynamisches Fahrerkarussell

Der zunehmende Erfolg des Teams lässt dann aber auch die Kassen immer mehr klingeln, um die eigene Garage und Mannschaft weiter zu verbessern. Mit dem nötigen Kleingeld in der Tasche können nämlich erstmals auch Fahrer anderer Teams für den eigenen Rennstall abgeworben und unter Vertrag genommen werden.

Ein zentraler Punkt ist hier das Fahrer-Rating, das bei der Entscheidung des richtigen Teamkollegen helfen soll. Dabei werden die Piloten der Saison 2020 in den Kategorien Erfahrung, Fahrkunst, Bekanntheitsgrad und Pace bzw. Tempo miteinander verglichen und so ihre Stärke ermittelt. Je höher der Wert der einzelnen Skills, desto besser aber auch teurer ist ein Fahrer. Die Bewertung der einzelnen Piloten sorgte dabei bereits kurz nach der Veröffentlichung der Ratings für Aufregung und auch ein wenig Irritation. So stieß etwa Ferrari-Pilot Charles Leclerc die Wertung von George Russell (Williams) sauer auf und auch mancher Fan zeigte sich über die eine oder andere Bewertung verwundert.

Für eine Verpflichtung von Topstars wie Lewis Hamilton, der das Fahrer-Ranking als Weltmeister natürlich anführt, Sebastian Vettel oder Max Verstappen muss man aber nicht nur tief in die Tasche greifen und ein gewisses Verhandlungsgeschick mitbringen, sondern auch ein wenig Geduld. Bis zu zehn Saisons hat man im "My Team"-Modus dabei Zeit, um einen Top-Fahrer zu verpflichten und sich die WM-Krone aufzusetzen. Zu viel Zeit auf der Suche nach Spitzen-Piloten sollte man sich aber nicht lassen, denn der Fahrermarkt in "F1 2020" ist dynamisch. Ältere Fahrer, die keine Lust mehr haben oder keinen Vertrag bekommen, könnten sich aus der Formel 1 zurückziehen und stattdessen Platz für einen Konkurrenten oder sogar einen Neuling aus der Formel 2 machen.

Zu Beginn des Spiels sitzt aufgrund der bescheidenen finanziellen Lage aber ohnehin erstmals ein Fahrer der Formel-2–Klasse im zweiten Cockpit, mit dem man in den Rennen auf Punkte-Jagd geht und um die Anerkennung des Teams in der Formel 1 kämpft. Spieler sollten sich aber auch gut überlegen, wie sie mit dem Teamkollegen auf und abseits der Strecke umgehen. Denn im "My Team"-Modus geht es vorrangig um das Team, nicht um den Fahrer. So haben etwa auch die Aussagen in den Interviews über den Teamgefährten und natürlich auch über andere Fahrer und Rivalen Einfluss auf deren Fahrverhalten.

Auf der Überholspur

Wie bereits beim Vorgänger "F1 2019" ist die Serie der Formel 2 auch in "F1 2020" wieder am Start. So können sich Spieler im "Karriere"-Modus entweder erst für drei Rennen hinter das Steuer eines F2-Boliden setzen oder haben erstmals auch die Möglichkeit eine komplette Saison in der Formel 2-Meisterschaft zu fahren, bevor sie in die Königsklasse des Motorsports aufsteigen. Eine Story im „Karriere“-Modus gibt es dieses Mal zwar nicht, ist in Anbetracht der geballten Rennsport-Action und Vielzahl der Simulations-Möglichkeiten aber überhaupt nicht weiter schlimm.

Der Fokus im "Karriere"-Modus liegt stattdessen ganz klar auf der Laufbahn als Rennfahrer sowie die (Weiter-) Entwicklung und Abstimmung eures Rennwagens auf der Strecke. Und hier zeigt Codemasters einmal mehr, warum sie in der Videospiel-Branche zur Speerspitze der Entwickler für Rennsimulationen gehören. Egal ob am Chassis, der Aerodynamik, der Aufhängung oder der Strapazierfähigkeit – hier darf an fast allen Stellen geschraubt und gedreht werden, um das Handling noch besser zu machen und um noch mehr Speed aus dem Fahrzeug herauszuholen. Das Handling des Boliden kann aber natürlich auch im "My Team"-Modus indivuell eingestellt und angepasst werden. Formel 1-Liebhaber und Simulations-Fanatiker kommen hier also voll und ganz auf ihre Kosten.

Codemasters bietet in "F1 2020" so viele Freiheiten wie noch nie zuvor. So lässt sich neben dem "My Team"- auch der "Karriere"-Modus je nach Wunsch individuell gestalten. Dabei haben Spieler nicht nur die Wahl, wie lange eine Saison - zehn, 16 oder 22 Rennen – dauern soll, sondern können auch genau bestimmen, auf welchen Strecken sie um die Fahrer- und Konstrukteurs-Meisterschaft kämpfen möchten. Ein echtes Highlight ist dabei auch die Gestaltung der Podiums-Zeremonie, die nach den eigenen Vorstellungen angepasst werden kann.

Optischer Leckerbissen

"F1 2020" beinhaltet natürlich wieder alle offiziellen Teams, Fahrer und Strecken der aktuellen Saison. Und im Gegensatz zum realen Rennkalender, der dieses Jahr wohl nur aus acht Grand Prix bestehen dürfte, können sich die F1-Fans zumindest virtuell auf gleich 22 Kursen mit Lewis Hamilton, Sebastian Vettel, Max Verstappen und Co. messen. Auch auf den beiden neuen Rennstrecken Hanoi Curcuit in Vietnam und Circuit Zandvoort in den Niederlanden darf um den Sieg gekämpft werden.

Und die Rad-an-Rad-Duelle um die WM-Krone machen nicht nur technisch irrsinnig viel Spaß, sondern sind natürlich auch optisch wieder ein Leckerbissen. Codemasters hat es dabei geschafft, den bereits sehenswerten Vorgänger in Sachen Grafik und Race-Feeling noch einmal eine Spur zu verbessern. Mit "F1 2020" holt der britische Entwickler also noch einmal alles aus der aktuellen Konsolen-Generation heraus. Spätestens bei den Regenrennen werden die F1-Fans mit Sicherheit große Augen machen, hier kommt nämlich die volle grafische Stärke des Rennspiels endgültig zum Vorschein.

Wiedersehen macht Freude

Neben den Kategorien "My-Team", "Karriere", "Meisterschaften", "Grand Prix", "Zeitfahren" und einem Online-Mehrspieler-Modus dürfen sich Spieler in "F1 2020" auch über die Rückkehr des beliebten "Splitscreen"-Modus freuen. Es ist also endlich wieder möglich, zusammen mit einem Freund auch offline über die Rennstrecke zu rasen.

Und zwar nicht nur im direkten Duell, sondern gegen das komplette Fahrerfeld der aktuellen Saison. Natürlich darf man auch gemeinsam als Teamkollegen an den Start gehen und auf Pokal-Jagd gehen. Je nach Rennspiel-Erfahrung können die verschiedenen Fahrhilfen dabei spezifisch angepasst werden, damit sich Neu-Einsteiger auch mit Profis duellieren können. Ein Modus, der für unzählige Kopf-an-Kopf-Rennen vor dem TV sorgen wird und wahres Highlight für die Fans ist.

Zu Ehren einer Legende

Zum 70. Geburtstag der Formel 1 hat sich Codemasters aber noch ein weiteres, ganz besonderes Geschenk für die Rennsport-Freunde ausgedacht. Denn neben der Standardversion des Spiels wird es auch noch eine weitere Edition von "F1 2020" geben, die bereits am 7. Juli, also drei Tage vor dem offiziellen Release des Spiels, erscheint.

Zu Ehren von Michael Schumacher, des erfolgreichsten F1-Rennfahrers aller Zeit, bringt der britische Entwickler nämlich auch eine "Schumacher Deluxe Edition" auf den Markt. Diese enthält nicht nur das komplette Spiel mit allen Extras, sondern auch noch vier ikonische Rennwagen (Jordan 191, Benetton B194, Benetton B195 und Ferrari F1-2000) sowie ein Michael Schumacher In-Game-Model, Rennanzüge, Helme und eine spezielle Podiums-Animation des Rekord-Champions. Die ganze Edition ist dabei auch in einem exklusiven "Schumacher"-Steelbook designed worden, das den Puls der F1-Fans mit Sicherheit noch einmal weiter in die Höhe schlagen lässt.

Fazit

Die Formel 1-Saison 2020 ist gerettet – zumindest virtuell! Codemasters liefert mit "F1 2020" nicht nur eines der besten Formel-1-Spiele aller Zeiten, sondern zeitgleich auch eine der besten Rennsimulationen überhaupt. Noch nie haben sich Rad-an-Rad-Duelle und Überholmanöver in einem F1-Spiel so realistisch angefühlt und noch nie hatten Rennsport-Freunde so viele Freiheiten bei der Gestaltung ihrer Karriere und Entwicklung ihres eigenen Teams und Boliden.

Über das Fahrer-Rating einzelner Piloten lässt sich zwar durchaus streiten, hat auf das tolle Race-Feeling auf und abseits der Rennstrecke und den enormen Spielspaß aber keine große Auswirkung. Die Freude über die Rückkehr des "Splitscreen"- oder die Einführung des "My Team"-Modus überwiegt hier deutlich. "F1 2020" ist das Spiel, auf das Motorsport-Fans gewartet haben. Eine (welt-) meisterliche Triumphfahrt in der Geschichte der Rennsportspiele.

"F1 2020" von Codemasters erscheint am 10. Juli für PC, PlayStation 4, Xbox One und Google Stadia. Die "Schumacher Deluxe Edition" ist bereits ab 7. Juli erhältlich. "Heute" testete das Spiel auf der PlayStation 4.

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