Multimedia

"Facebook ignoriert Negativ-Einfluss auf Gesellschaft"

Global nutzen rund 2,9 Milliarden Menschen Facebook. Was für eine gigantische Auswirkung das haben kann, zeigen Recherchen des "Wall Street Journal".

20 Minuten
Teilen
1/9
Gehe zur Galerie
    Das "Wall Street Journal" hat interne Dokumente von Facebook publik gemacht.
    Das "Wall Street Journal" hat interne Dokumente von Facebook publik gemacht.
    Unsplash

    Das Social-Media-Unternehmen Facebook muss sich diese Tage mit heftiger Kritik auseinandersetzen. Dahinter steckt eine fünfteilige Serie des "Wall Street Journal" (WSJ), die das Medium nur die "Facebook Files" nennt, und die verschiedenste Missstände im Unternehmen aufdecken soll. So haben die Untersuchungen des "WSJ" beispielsweise gezeigt, dass sich Facebook aufgrund von eigenen Studien bewusst ist, dass die Nutzung von Instagram insbesondere für junge Mädchen äußerst schädliche Folgen nach sich ziehen kann.

    Auch die übrigen "Facebook Files" zeigen verschiedenste Studien und Dokumente von Facebook, die auf Missstände hinweisen, gegen die das Unternehmen laut dem Journal aber zu wenig unternimmt. So zeigen geleakte, interne Dateien beispielsweise, dass Facebook darüber im Bilde ist, dass ihr Algorithmus im News Feed zu einer verstärkten Aufspaltung der Nutzerinnen und Nutzer führt. Dieser wurde im Jahr 2018 eingeführt und hatte zur Folge, dass das Kommentieren und Teilen eines Facebook-Posts als viel wichtiger gewertet wurde als das einfache Liken.

    Sonderbehandlung von Promis

    In der Folge begannen Interessensgruppen und News-Outlets verstärkt, emotionalisierte und aggressivere Posts zu verfassen, da dies dem Engagement und der Verstreuung ihres Posts zuträglich war. Laut dem "WSJ" soll sich Facebook-CEO Mark Zuckerberg wiederholt dagegen ausgesprochen haben, diesen Algorithmus anzupassen, da er auch für Facebook selbst mehr Engagement brachte. Laut socialmediatoday.com ist dies alarmierend. Es zeige, dass das Unternehmen willentlich Entscheidungen getroffen habe, die die Gesellschaft als Ganzes negativ beeinflussen.

    Ein weiterer Punkt, den das "WSJ" aufzeigt, ist , dass Facebook es berühmten oder bekannten Persönlichkeiten erlaubt, hin und wieder die Regeln der Plattform zu brechen. So soll es dem brasilianische Fußballspieler Neymar da Silva Santos Jr. beispielsweise erlaubt gewesen sein, Nacktfotos einer Frau zu posten, die ihn der Vergewaltigung angeklagt hat. Die Fotos verschwanden erst nach einer Weile wieder von der Plattform. Es soll aber auch bei anderen berühmten Persönlichkeiten zu einer verminderten Moderation ihrer Posts gekommen sein.

    Fake News und Fehlinformationen

    Außerdem sollen Mitarbeitenden von Facebook laut internen Dokumenten immer wieder Sorgen geäußert haben, dass die Plattform von Menschenhändlern oder für die Verbreitung von Pornografie, Drogenhandel und weiteren illegalen Machenschaften verwendet wird. Laut den Untersuchungen trafen solche Bedenken aber immer wieder auf taube Ohren.

    Zuletzt klagt das "WSJ" Facebook an, viel zu wenig gegen die genannten Punkte zu unternehmen. Dies sei auf einer gesellschaftlichen Ebene gefährlich, da so Fehlinformationen eine Plattform finden und Fake News zum Thema Covid-19 und Impfungen die Runde machen. So soll sich gezeigt haben, dass rund 41 Prozent aller untersuchten englischsprachigen Kommentare auf Facebook zum Thema Corona-Impfung zur Vorsicht aufgerufen haben. Dies kann potenziell gravierende Folgen auf andere Nutzerinnen und Nutzer haben.

    "Es zeigt sich wieder und wieder, dass die Forschenden von Facebook die negativen Effekte von Facebook erkannt und identifiziert haben. Und wieder und wieder hat das Unternehmen davon abgesehen, diese anzugehen", schreibt das "WSJ".

    Facebook wehrt sich

    Facebook hat sich einige Tage Zeit gelassen, um auf die Anschuldigungen des Mediums zu antworten. Am vergangenen Wochenende hat sich der Präsident für Global Affairs Nick Clegg jedoch in einem Blog-Post geäußert. Dieser trägt den Namen "Wo das 'Wall Street Journal' falsch lag". Darin hält er fest: "Eine Annahme ist grundlegend falsch: Dass Facebook Untersuchungen und Studien durchführen lässt und diese dann systematisch und absichtlich ignoriert, weil sie für das Unternehmen unangenehm sind."

    Das stelle die harte Arbeit der Forscherinnen und Forscher und Ingenieuren und Ingenieurinnen in Frage, die schwer dran arbeiteten, die Qualität der Produkte von Facebook zu verbessern und deren weitreichenden Einfluss zu verstehen. Daher werde man auch in Zukunft weiter solche Studien in Auftrag geben, um ernste und komplexe Probleme anzugehen.