Falsche Polizisten holten 750.000 Euro in NÖ und Wien

Falsche Polizisten im "Dienstfahrzeug"
Falsche Polizisten im "Dienstfahrzeug"privat
17 Senioren wurden in NÖ und Wien um ein Vermögen betrogen: Eine Bande hatte sich glaubhaft als Polizisten ausgegeben und die Alten ausgenommen.

Der Schmäh ist zwar etwas neuer als der sogenannte Neffentrick, aber dennoch großteils bekannt ("Heute" berichtete): Der Modus operandi dabei: Eine Bande meldet sich telefonisch bei vorwiegend Pensionisten, gaukelt eine Einbruchsserie in der Nähe des Opfer-Wohnortes vor. Dann geben die Kriminellen an, es gäbe eine Liste mit dem Namen des Opfers.

"Kollege kommt vorbei"

Aus Vorsichtsgründen würde als ein Kollege kommen und alle daheim gehorteten Wertsachen abholen und sicher aufbewahren. 17 Mal gelang dies der Bande in NÖ und Wien, 68 Mal blieb es beim Versuch. Die Kriminellen wurden großteils über soziale Netzwerke angeworben.

750.000 € Schaden

Bei einer Pressekonferenz in St. Pölten informierten Polizeichef Franz Popp und LKA-Chef Omar Haijawi-Pircher über die geklärten Fälle mit einer Gesamtschadenshöhe von 750.000 Euro.

Am 13. Jänner 2021 konnte ein 21-jähriger Österreichischer auf frischer Tat betreten werden, als er die Sparbücher eines Opfers abholen wollte. Er wurde an Ort und Stelle festgenommen und auf Anordnung der Staatsanwaltschaft Korneuburg in die Justizanstalt Korneuburg verbracht. Bei seinen Einvernahmen zeigte sich der Beschuldigte, welcher als Abholer fungiert habe, teilweise geständig.

Serbin als Lenkerin

Am 17. Februar 2021 konnte eine 36-jährige serbische Staatsangehörige aus Wien bei der Einreise nach Österreich angehalten und festgenommen werden. Sie wird beschuldigt, bei den Taten als Organisatorin und Lenkerin des Fluchtfahrzeuges fungiert zu haben. Bei einer Hausdurchsuchung konnten an ihrer Wohnanschrift in Wien Bargeld und Schmuck sichergestellt werden. Sie machte zum Sachverhalt keinerlei Angaben.

Organisation der "Polizeibande"
Organisation der "Polizeibande"privat

Am 6. April 2021 hatte eine 77-Jährige aus dem Bezirk Baden Anzeige darüber erstattet, dass sie einen Anruf von einem falschen Polizisten erhalten und am 7. April 2021 Bargeld in der Höhe von 30.000 Euro übergeben soll - mehr dazu auch hier. Nachdem sie das Geld nicht auftreiben konnte, redete sie mit ihrem Nachbarn diesbezüglich und der Nachbar machte die Frau darauf aufmerksam, dass es sich hier um einen Betrug handeln könnte.

24-Jähriger festgenommen

In weiterer Folge konnte ein 24-Jähriger aus dem Bezirk Mödling am 7. April 2021 bei der geplanten Geldübergabe von Bediensteten des Landeskriminalamtes Niederösterreich Ermittlungsbereich Betrug, der Einsatzgruppe zur Bekämpfung von Straßenkriminalität und Bediensteten der Polizeiinspektion Traiskirchen festgenommen werden. Bei den Ermittlungen stellte sich heraus, dass der Mann in Zusammenhang mit der oben angeführten Tätergruppierung stand. Weiters konnten dem Mann sechs vollendete Taten im Zeitraum vom 18. März 2021 bis zum 7. April 2021 zugeordnet werden. Dabei soll jeweils mit dem Polizeitrick vorgegangen worden sein. Insgesamt belief sich die Schadenssumme auf 111.000 Euro. Die Tatorte befanden sich in den Bezirken Tulln, Korneuburg und Baden. Der 24-Jährige zeigte sich bei seinen Einvernahmen geständig. Er wurde über Anordnung der Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt in die Justizanstalt Korneuburg verbracht.

Achtung vor Kautionstrick

Ein 81-Jähriger und seine 78-jährige Gattin aus dem Bezirk Tulln waren am 20. April von einem vermeintlichen Polizisten kontaktiert worden. Dieser ging mit dem sogenannten Kautionstrick vor und teilte dem Ehepaar mit, dass deren Sohn einen schweren Unfall gehabt haben soll. Zur Deckung des Schadens müsse ein Betrag in der Höhe von 80.000,- Euro bezahlt werden. Da die Eheleute nicht so viel Geld zur Verfügung hatten, hätten sie sich mit dem falschen Polizisten auf eine Summe von 25.000,- Euro geeinigt. Da sie jedoch misstrauisch wurden, kontaktierten sie die Bediensteten der Landesleitzentrale am Polizeinotruf. In weiterer Folge konnte der Beschuldigte, es handelte sich um einen 51-jährigen polnischen Staatsbürger, von Bediensteten der Kriminaldienstgruppe der Polizeiinspektion Klosterneuburg gegen 16.30 Uhr an der Wohnanschrift der Opfer festgenommen werden.

Das Landeskriminalamt Niederösterreich, Ermittlungsbereich Betrug, übernahm die folgende Amtshandlung und konnte dem Beschuldigten eine weitere Tat zuordnen. So soll er am 12. März 2021, gegen 13.30 Uhr, eine 80-Jährige aus dem 21. Wiener Gemeindebezirk ebenfalls mit dem Kautionstrick getäuscht haben. Hierbei soll er der Frau vorgetäuscht haben, dass ihre Tochter einen schweren Unfall gehabt habe. Die Frau habe ihm dann 13.000,- Euro als Kaution für die Freilassung ihrer Tochter übergeben. Der Beschuldigte machte bei seiner Einvernahme keinerlei Angaben. Er wurde über Anordnung der Staatsanwaltschaft Korneuburg in die Justizanstalt Korneuburg eingeliefert.

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