Falsche Polizisten raubten Senioren Geld für Begräbnis

Die Angeklagten vor Gericht.
Die Angeklagten vor Gericht.Sabine Hertel
Prozess gegen mehrere mutmaßliche Betrüger in Wien: Mit einer dreisten Masche sollen sie Pensionisten viel Geld abgenommen haben.

"Ich war ja schon bei vielen Gerichtsprozessen dabei, aber diese Bande rund um 'Falsche Polizisten' ist letztklassig", twittert Magdalena Punz, die Chronik-Chefreporterin des Newssenders Puls 24, am Donnerstag aus dem Wiener Straflandesgericht. Dort sind mehrere mutmaßliche Drahtzieher einer dreisten Betrugsmasche angeklagt. Sie sollen seit 2018 Pensionisten in Wien betrügen, indem sie vorgeben von der Polizei zu kommen und Bargeld und Schmuck vor Einbrüchen in Sicherheit zu bringen. Der Schaden beläuft sich auf mindestens 4,5 Millionen Euro.

Zuvor waren nur "Geldabholer“ verurteilt worden, nun müssen sich unter anderem die Mutter (55) und die Schwester (26) des angeblichen Bandenchefs verantworten. Der Türke lebte lange in Vorarlberg und soll nun aus dem Raum Istanbul die betrügerischen Machenschaften orchestrieren. Auf ihn hat die österreichische Justiz keinen Zugriff, solange er sich auf türkischem Boden befindet.

Keine Skrupel

Mithilfe von gefälschten Rufnummern werden bei dieser Masche gezielt Senioren mit Vornamen angerufen, die auf ein hohes Alter schließen lassen. Ihnen wird vorgegaukelt, dass sich ihr Name auf einer von der Polizei gefundenen Liste befinden soll, auf der künftige Einbruchsopfer vermerkt sind. Um den Einbrechern zuvorzukommen, wolle die "Polizei" Geld und Wertgegenstände in Sicherheit bringen.

Dutzendfach haben die Opfer daraufhin falschen Polizisten Schmuck, Geld und mehr überreicht. Die Betrüger brachten die verängstigten Senioren sogar zur Bank, um dort ihre Schließfächer zu räumen. Wie  Puls-24-Reporterin Magdalena Punz berichtet, sollen die Gauner den alten Menschen sogar das Ersparte für ihr eigenes Begräbnis abgeknöpft haben. Punz: "Hier schütteln alle inklusive RichterInnen nur noch den Kopf, diese offensichtliche Lügerei ist nicht auszuhalten." Für alle Angeklagten gilt die Unschuldsvermutung.

Den angeklagten Frauen – sie werden von den Star-Anwälten Christian Werner und Philipp Wolm vertreten – drohen mehrjährige Haftstrafen. In der Anklageschrift wird ihnen die Bildung einer kriminellen Vereinigung und Geldwäsche vorgeworfen. Vier weitere Angeklagte, langjährige Bekannte der Familie, müssen sich ebenfalls verantworten.

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