Familie musste Nacht mit Toter auf der Couch verbringen

Auf dieser Couch wurde die tote Bekannte von Birgit S. aufgebahrt.
Auf dieser Couch wurde die tote Bekannte von Birgit S. aufgebahrt.ORF/Bürgeranwalt (Screenshots)
Eine Wienerin verstarb spätabends bei einer Salzburger Familie. Weil kein Amtsarzt kommen konnte, wurde die Tote auf der Wohnzimmer-Couch gelagert.

Den 14. Juni vergangenen Jahres wird Birgit S. nicht so schnell vergessen: Die Salzburgerin hatte eine Bekannte aus Wien zu Besuch. Die Familie saß am Abend auf der Terrasse und grillte: "Plötzlich sagte sie: 'Mir ist übel. Irgendwie so komisch'", erzählt Birgit S. in der ORF-Sendung "Bürgeranwalt".

Die Familie brachte der Wienerin ein Glas Wasser, doch der Zustand der Frau besserte sich nicht: "Plötzlich stand sie auf und kippte mit dem Kopf frontal auf die Terrasse", so Birgit S. Die 55-Jährige erlitt dabei eine stark blutende Wunde, die Familie kümmerte sich um die Erstversorgung. 

Tod wurde um 22 Uhr festgestellt

Rettung und Notärztin waren wenig später vor Ort, die Wienerin konnte aber nicht mehr reanimiert werden. Wie sich bei der Obduktion herausstellte, starb die 55-Jährige an einem Aortenriss: "Kurz nach 22 Uhr stellte die Notärztin den Tod meiner Bekannten fest", erzählt Birgit S.

Die Rettung verständigte ein Kriseninterventionsteam und die Exekutive: "Einer der Beamten hat es überall versucht, beim Amtsarzt und bei der Bestattung, aber niemand war erreichbar. Und die Rettung darf keine Toten transportieren. Da sagte die Ärztin zu mir: 'Also, wo sollen wir die Leiche jetzt hinlegen?'", erinnert sich Birgit S. 

Leiche in der Wohnung war sehr belastend

Da die Salzburgerin mit ihrem Lebensgefährten, ihrer Tochter (14) und ihrem Sohn (damals 14 Monate) in einer 80 Quadratmeter großen Dreizimmer-Wohnung lebt, gab es nur die Möglichkeit, die Verstorbene auf der Couch in der Wohnküche aufzubahren. Die Familie musste die Nacht mit der Leiche im Wohnzimmer verbringen.

Auf dieser Couch wurde die Leiche gelagert.
Auf dieser Couch wurde die Leiche gelagert.ORF/Bürgeranwalt (Screenshot)

Am nächsten Tag um 7.45 Uhr kam schließlich der Amtsarzt und führte die Totenbeschau durch, die freigegebene Leiche wurde von der Bestattung abtransportiert. Für die Familie war die ganze Situation sehr belastend: "Es war schon schwer genug, dass wir den Tod meiner Bekannten miterleben mussten. Aber dann auch noch die Leiche in der Wohnung zu haben, war sehr belastend", meint Birgit S.

Salzburger Amtsärzte arbeiten nur bis 23 Uhr

Die Salzburgerin wandte sich an Volksanwalt Bernhard Achitz, der diese Situation als "nicht zumutbar" einschätzt. Auf Nachfrage der "Bürgeranwalt"-Redaktion hieß es aus dem Salzburger Gesundheitsamt, dass Amtsärzte nur bis 23 Uhr im Dienst seien. Da die Totenbeschau frühestens drei Stunden nach dem Todeseintritt stattfinden darf, bedeutet dies, dass nur Menschen, die bis 20 Uhr verstorben sind, abtransportiert werden können. Alle, die nach 20 Uhr sterben, können erst am darauf folgenden Tag geholt werden.

Das Gesundheitsamt beruft sich auf die geringe personelle Besetzung. Eine Ausweitung der Amtszeiten sei daher nicht möglich.

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