Oberösterreich

Nach Abschiebung – erstes Foto von Familie aus Delhi

Familie Lopez aus dem Mühlviertel ist nach dem Abschiebedrama in Delhi gelandet. Die Lage sei derzeit "sehr schwierig", so ein Vertrauter.

Peter Reidinger
Mutter Emilia (40) mit Tochter Joia (21) und Sohn Joshua (15) nach der Landung am Flughafen in Delhi. Derzeit wird der Fall dort behandelt.
Mutter Emilia (40) mit Tochter Joia (21) und Sohn Joshua (15) nach der Landung am Flughafen in Delhi. Derzeit wird der Fall dort behandelt.
Lopez

Um 7 Uhr Ortszeit landete die Maschine vom Flughafen Schwechat kommend am Airport in Delhi in Indien. An Bord war Familie Lopez aus Haslach in Oberösterreich. Nachdem die Behörden offenbar ein Verwirrspiel veranstalteten – die Familie war bereits im Flieger, als es noch Demos zum Verbleib gab – ging alles ganz schnell. 

Acht Beamte (zwei Frauen, sechs Männer) waren mit an Bord des Fliegers. Am Flughafen wurde die Familie dann an die indische Polizei übergeben. "Die Lage ist sehr schwierig", so Klaus Peter, ein enger Vertrauter der Familie Lopez, am Freitag zu "Heute". "Wir sind alle sehr müde, traurig und gestresst", so die 40-jährige Mutter Emilia Lopez zum "Standard". Der 15-jährige Joshua sagte, er habe sich nur mit Whatsapp-Nachrichten von seinen vielen Freunden in Haslach verabschieden können. "Ich will nur wieder heim nach Haslach."

Derzeit wird der Fall von indischen Polizisten am Flughafen behandelt. Von Österreich aus wird emsig telefoniert, um vielleicht doch noch ein Umdenken der Behörden zu erreichen. Offenbar ist derzeit ein Weiterflug nach Goa geplant.

Polizei holte Familie im Morgengrauen

Die Abschiebung hatte für viel Wirbel und Kritik gesorgt. Am Dienstag um 5 Uhr holten Polizisten die drei in ihrer Wohnung in Haslach an der Mühl (Bez. Rohrbach, Oberösterreich) ab. Der ORF zitierte Zeugen, wonach die Polizei sogar die Tür aufgebrochen hatte.

Aus Polizeikreisen hieß es dazu gegenüber "Heute", man habe mehrfach geklingelt. Als niemand geöffnet hatte, habe man einen Schlüsseldienst zu Hilfe gezogen.

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    Unterstützer harren am Donnerstag vor dem Familienanhaltezentrum aus.
    Unterstützer harren am Donnerstag vor dem Familienanhaltezentrum aus.
    Denise Auer

    "Die Familie ist in Indien massiv an Leib und Leben bedroht. Allein schon aufgrund ihrer römisch-katholischen Religion", so Klaus Peter gegenüber "Heute".

    "Das Asylverfahren ist rechtskräftig negativ abgeschlossen", erklärte das Innenministerium auf eine "Heute"-Anfrage. "Eine freiwillige Ausreise der Familie ist nicht erfolgt. Das Bundesamt für Fremdenwesen und Asyl (BFA) hat rechtskräftige Entscheidungen der Gerichte umzusetzen", hieß es in einer Stellungnahme.

    Scharfe Kritik am Innenminister

    Der Mühlviertler Klaus Peter kritisiert das Vorgehen scharf. "Innenminister Karner könnte auch Menschlichkeit walten lassen. Ihm gehört Österreich nicht", so Peter hörbar verärgert am Telefon zu "Heute".

    "Die Familie war perfekt integriert und Teil unserer Gesellschaft", übt auch Haslachs Bürgermeister Dominik Reisinger (SPÖ) scharfe Kritik. Seit zweieinhalb Jahren haben die drei in Haslach gewohnt, berichtet der Bürgermeister. Die Mutter habe als Köchin gearbeitet, die Tochter (21) sei mitten in der Ausbildung zur Altenpflegerin gewesen. Der 15-jährige Sohn habe die Mittelschule besucht und im Verein Fußball gespielt. "Die Familie hat sich selbst versorgt", so Reisinger. 

    Dem Wirtshaus, in dem Frau Lopez zuletzt gearbeitet hat, droht jetzt sogar die Schließung, weil ganz einfach die Köchin fehlt – mehr hier.

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