Fast doppelt so viele schwere Verläufe bei Rauchern

Nach 18 Monaten Pandemie sind viele Fragen noch offen. Etwa, wie groß die Corona-Gefahr für Raucher ist. Eine neue Studie zeichnet ein düsteres Bild.

Raucherinnen und Raucher haben Studien zufolge ein höheres Risiko für schwere Verläufe von Covid-19. Das bestätigen nun weitere Analysen, die britische Forschende in der Fachzeitschrift "Thorax" vorstellen. Demnach liegt der Anteil der Infizierten, die wegen Covid-19 im Spital behandelt werden oder sogar sterben, bei Rauchenden merklich höher als bei Nichtraucherinnen und Nichtrauchern.

Die Wahrscheinlichkeit, wegen Covid-19 ins Spital eingeliefert zu werden, könnte den Ergebnissen zufolge bei Menschen, die aktuell Rauchende sind, fast doppelt so groß sein wie bei lebenslangen Nichtrauchenden.

"Unsere Ergebnisse legen sehr stark nahe, dass Rauchen mit dem Risiko einer schweren Covid-Erkrankung zusammenhängt, genauso wie Rauchen das Risiko für Herzkrankheiten, verschiedene Arten von Krebs und andere Krankheiten beeinflusst", sagte der leitende Forscher Ashley Clift von der Universität Oxford der Nachrichtenagentur PA zufolge.

So lief die Studie ab

Für die neue Analyse werteten die britischen Forschenden mit zwei verschiedenen Methoden Daten und Befragungen aus der Medizindatenbank UK Biobank sowie Daten von Public Health England und andere Gesundheitswerte beziehungsweise Totenscheine aus. Insgesamt flossen Daten zu rund 280.000 Personen in die Untersuchung ein. Um Störfaktoren auszuschließen, haben Clift und sein Team ein statistisches Verfahren angewendet, bei dem Personen nicht anhand des Faktors Raucher/Nichtraucher in Vergleichsgruppen eingeteilt werden, sondern auf genetischer Basis – in diesem Fall etwa anhand ihrer genetisch bestimmten Neigung zu starkem Rauchen. Clift und sein Team geben einschränkend zu bedenken, dass es bei beobachtenden Studien zu Verzerrungen kommen kann.

Eventuelle Schutzwirkung zunichtegemacht

Vereinzelt hatten Analysen gerade zu Beginn der Pandemie darauf hingewiesen, dass Raucherinnen und Raucher anteilig seltener an Covid-19 erkranken. So hatten sich bei einer Karnevalssitzung im rheinischen Heinsberg Rauchende weniger oft infiziert, wie die Analyse eines Teams um den Bonner Virologen Hendrik Streeck zeigte. Der Mechanismus dahinter sei unklar, es gebe aber Spekulationen dazu, hatte der Direktor des Instituts für Virologie der Uni Bonn kürzlich der "Augsburger Allgemeinen" gesagt.

So sei der Rachen von Rauchenden gereizter und es gebe dort deswegen auch mehr Immunaktivität, die es dem Virus schwerer mache, eine Infektion zu etablieren. "Eine andere Theorie ist ganz einfach: Raucher und Raucherinnen gehen zum Rauchen schlicht und ergreifend öfter vor die Tür ins Freie und verringern dadurch die Expositionshäufigkeit", sagte Streeck. Andere Forschende vermuten, dass Nikotin eine Rolle spielen könnte, weil es die Ausbreitung von Sars-CoV-2 im Körper hemmt. Studien dazu laufen derzeit. Laut Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern von der Universität Hiroshima in Japan scheinen auch polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), krebserregende Schadstoffe, die in den Zigaretten enthalten sind, die Rauchenden vor der Infektion zu schützen.

So unterschiedlich die Erklärungen auch sind, über eine Sache herrscht Einigkeit: Wenn sich ein Raucher oder eine Raucherin erst einmal infiziert habe, habe er oder sie ein viel größeres Risiko, schwer an Covid-19 zu erkranken. Zumindest den Daten von Clift und Kolleginnen und Kollegen zufolge, wird jedoch die eventuell vorhandene Schutzwirkung von Nikotin durch die Auswirkungen langjährigen Rauchens zunichtegemacht. Zudem gibt es Hinweise darauf, dass neben Risikopatientinnen und -patienten auch Raucherinnen und Raucher nach der Impfung weniger Antikörper gegen Covid-19 bilden als andere Menschen.

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