Ferdinand Feldhofer spricht im Kicker über seine Rapid-Zeit und sein Aus bei den Grün-Weißen: "Ärger habe ich gar keinen mehr in mir, ich habe bei Rapid viel dazugelernt. Beim WAC war alles sehr überschaubar, auch medial. Dort hatte ich kürzere Wege, aber das ist halt bei den großen Klubs anders. Die Zeit bei Rapid war schon prägend. Man muss immer die richtigen Schlüsse und Learnings daraus ziehen."
"Eines der Learnings war sicher, nicht so viel nachzugeben und strikter die eigenen Pläne verfolgen", sagt Feldhofer. Der Steirer vergleicht seine Stationen bei Wolfsberg und Rapid - und lässt mit Kritik an der Vereinsführung der Grün-Weißen aufhorchen: "Beim WAC habe ich beide entscheidenden Positionen innegehabt, war Trainer und Sportdirektor. Ich war also auch für die Transfers zuständig, habe die Spieler zum Teil selbst gescoutet und musste mir nur den Segen vom Präsidenten holen. Bei Rapid war ich nur Trainer und hatte nicht so viel Einfluss. Natürlich bin ich bei jedem Transfer gefragt worden, aber das ist eben nicht dasselbe, wie wenn du dir eine Mannschaft nach deinen eigenen Vorstellungen und deinem System selbst zusammenstellst. Heute weiß ich, ich hätte mich ein paar Mal öfter durchsetzen sollen."
Heißt also: Feldhofer hätte lieber andere Spieler geholt als sein damaliger Chef Zocki Barisic.
Feldhofer spricht weitere Probleme an: "Wir haben mit Kara und Fountas unsere beiden Topscorer abgegeben, dazu kamen viele Verletzte und ungewisse Vertragssituationen. Das hat eine Spirale ergeben, die fast nicht mehr zu stoppen war. Wir haben dann mit vielen Spielern, die wir von Rapid II hochgezogen haben, die Top drei verpasst."
Kritikpunkte, die klar in Richtung des damaligen Sportchefs Zoran Barisic gehen: "Dadurch mussten wir in der neuen Saison sehr früh in die Europacup-Qualifikation und hatten keine Zeit, etwas zu implementieren. Im Nachhinein ist man immer gescheiter, aber es wäre sicher einfacher gewesen, wenn wir den Umbruch erst im Sommer und nicht mitten in der Frühjahrssaison umgesetzt hätten", so der 43-Jährige.
"Die Zahlen belegen, dass nicht alles schlecht war. Wir hatten genug Eintritte ins letzten Drittel, aber wir haben unsere Chancen nicht genützt. Ich glaube, mein letztes Spiel in Ried war sinnbildlich für die ganze Situation. Wir haben 90 Minuten auf ein Tor gespielt, und mit einem einzigen Schuss auf unser Tor verloren", erklärt Feldhofer.