Ferguson-Cops verhaften Standard-Journalisten

Bild: Charlie Riedel (AP)

Die Polizei in Ferguson übertrieb es in der Nacht von Montag auf Dienstag. Die Cops verhafteten zwei deutsche Journalisten, die auf einer fast menschenleeren Straße herumstanden. Einer davon schrieb für den Standard. Die Polizisten hätten ihnen gesagt, sie sollen weitergehen, das hätten die Reporter auch gemacht. Geholfen hat es nichts, die Journalisten wurden vorübergehend eingesperrt. Der Österreiche Journalistenclub protestiert dagegen. Die Proteste gegen die Polizei gingen währenddessen weiter.

gingen währenddessen weiter.

 
Ansgar Graw und Frank Herrmann wurden am Montag in Handschellen abgeführt und ins Gefängnis gebracht - Graw schreibt für die "Welt"-Gruppe, Herrmann für eine Reihe von Regionalzeitungen und für den österreichischen "Standard". Drei Stunden später wurden sie wieder freigelassen. Auch ein Reporter der "Bild", Lukas Hermsmeier wurde mitgenommen. Er befinde sich an einem unbekannten Ort und solle in das Gefängnis von St. Louis gebracht werden, teilte "Bild" am Dienstag mit.

Hermsmeier stehe bereits im Computer-System. "Wann genau er eintreffen wird, wissen wir aber nicht", sagte ein Gefängnismitarbeiter der Zeitung. Der Journalist solle möglicherweise gemeinsam mit einer größeren Gruppe von Festgenommenen ins Gefängnis gebracht werden.

Der Österreichische Journalisten Club - ÖJC protestiert nun gegen die Festnahmen, die gegen die Pressefreiheit und der freien Arbeitsmöglichkeiten von Auslandskorrespondenten in den Vereinigten Staaten verstoßen. "US-Präsident und Friedensnobelpreisträger Obama muss hier raschest eingreifen um die Pressefreiheit in seinem Land sicherzustellen", fordert ÖJC-Präsident Fred Turnheim.

"Eklatante Verletzung der Pressefreiheit"

"Die Polizei wollte verhindern, dass wir unseren Auftrag, über die Vorgänge in Ferguson zu recherchieren, erfüllen können", sagte Graw: "Das ist eine eklatante Verletzung der Pressefreiheit." Herrmann bezeichnete die Vorwürfe als "völlig absurd. Sie dienten offenkundig nur dem Zweck, Reporter einzuschüchtern und damit von ihrer Arbeit abzuhalten." Die Polizei in Ferguson war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen.

Journalisten im Restaurant festgenommen

Das Vorgehen der Polizei gegen Journalisten war in den vergangenen Tagen kritisiert worden. Zwei Reporter waren etwa in einem Fast-Food-Restaurant festgenommen worden, darunter ein Journalist der "Washington Post". Ein Foto-Journalist von "Getty Images" wurde am Montag kurzzeitig verhaftet als er Fotos einer Demonstration machte.

Nationalgarde brachte keine Ruhe

Seit den kam die Kleinstadt Ferguson im US-Bundesstaat Missouri nicht zur Ruhe. In der Nacht zum Dienstag kam es erneut zu vereinzelten Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und der Polizei

Tränengas gegen Molotowcocktails

Nachdem einige Protestierende mit Glas- und Plastikflaschen warfen und versuchten, eine Straße zu blockieren, setzte die Polizei nach Angaben des US-Senders CNN Tränengas ein. Augenzeugen berichteten auch von Schüssen. Angeblich sollen Demonstranten auch wieder Molotowcocktails eingesetzt haben. Die Lage in der Stadt unweit der Metropole St Louis war zuvor als ruhig, aber sehr angespannt beschrieben worden.

Debatte: US-Cops fast wie Paramilitärs

Landesweit haben die Krawalle in Ferguson zudem eine Debatte angestoßen, ob die amerikanische Polizei inzwischen zu sehr paramilitärische Züge angenommen hat.

Von 2008 bis 2012 haben US Polizisten 2003 Menschen im Einsatz getötet. In Österreich: sieben. (Quellen: FBI und BMI)

Im Kongress wird ein Gesetz diskutiert, das die kostenlose Weitergabe von Kriegsgerät wie gepanzerte Fahrzeuge aus dem Irak oder aus Afghanistan an die Polizei stoppen würde. Eine Gruppe von Demokraten im Repräsentantenhaus erklärte angesichts der Vorgänge in Ferguson vor einigen Tagen, dass die "örtlichen Strafverfolgungsbehörden außer Kontrolle" seien. Der Vorsitzende des Justizausschusses im Senat, der Demokrat Patrick Leahy, warnte am Freitag, man könne "die Risse in einer Gemeinde nicht mit den Werkzeugen des Krieges kitten". Der Kongress nimmt nach seiner Sommerpause die Arbeit wieder im September auf.

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