Film-Festspiele bleiben ein Trauerfest

Bild: Helmut Graf

An leisen Bestellungen von Direktoren bemerkt man in der Kulturpolitik meist, dass Wahlen vor der Tür stehen. Gerne nutzen Kulturpolitiker auch das mediale Sommerloch, um möglichst unbemerkt ihre Schäfchen ins Trockene zu bringen.

Aktuelles Beispiel ist der Fall des Viennale-Methusalems Hans Hurch, der nach einer durch das Kuratorium der Viennale bis 2018 erfolgten Verlängerung seines Vertrages nunmehr unbesorgt (nach 21 Jahren im Amt !) seiner Pension entgegenwerkeln kann. Peinlich an der Sache ist freilich, dass hier jener dienstälteste Kulturmanager Wiens verlängert wird, der sich immer wieder lautstark für zeitlich begrenzte Vertragsverhältnisse im Kulturbereich ausgesprochen hat.

Als selbst ernannter Kultursheriff reagierte der beim Austeilen nicht zurückhaltende Hurch auf mediale Kritik mit Wutreden in ihm nahestehenden Medien, in denen er das Ende der Filmkritik heraufbeschwor. Kritik ja, aber nur von mir, scheint da seine Devise zu lauten. Kritik an fragwürdigen persönlichen Verbindungen zwischen Viennale und Filmarchiv ("Insichgeschäfte") werden von Hurch ebenso wie Zweifel am teuren und erfolglosen Betrieb des Gartenbaukinos als Majestätsbeleidigung scharf zurückgewiesen.

Empörend an der Causa Hurch ist nicht nur, dass keine ansonsten selbstverständliche Ausschreibung des Jobs erfolgte, sondern auch, dass der Wiener Kulturstadtrat, der für die maßgeblich von Steuergeldern finanzierte Viennale zuständig ist, diese Vorgangsweise noch begrüßt.

Offenkundig ist der Kulturpolitik entgangen, dass das Kinofestival längst einen Neuanfang benötigen würde. War die Viennale unter Direktoren wie Werner Herzog oder Alexander Horwath ein spannendes Festival, so wird das Wiener Filmpublikum nun nochmals drei Jahre zur Provinzveranstaltung herabgewirtschaftete Filmwochen erdulden müssen. Hoch lebe die Kunst.

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