Heute-Fotograf Markus Berger war nicht begeistert, als ich ihn gebeten habe, mich ins AKW Zwentendorf (Bezirk Tulln) zu begleiten. Grund: Vor vielen Jahren saß er stundenlang im Aufzug fest. Das Eintauchen in die späten 70er-Jahre war trotzdem ein Erlebnis. Jeden Freitag öffnet die EVN das Fenster in die Post-Kreisky-Ära!
Die Volksabstimmung am 5. November 1978 besiegelte das Schicksal von Austro-Sonnenkönig Bruno Kreisky und seinem Traum vom sauberen Strom aus Zwentendorf.
Heute steht das mit 1,5 Meter dicken Stahlbetonwänden ausgestattete, fensterlose - aber keineswegs bedrückende - 1050-Räume-Gebäude immer noch stattlich da, dient als Ersatzteillager für fünf baugleiche deutsche Atomkraftwerke sowie als Schulungszentrum.
Auch ein Spielfilm wird demnächst dort gedreht. Eine Milliarde Euro hat es unterm Strich bislang gekostet. Heute schreibt der neue Eigentümer EVN aber eine schwarze Null. Auch wegen der Photovoltaikanlage, dank der das AKW nach 32 (!) Jahren endlich Strom liefert!
Übrigens: Udo Proksch hatte seinerzeit angeboten, das AKW in einen Friedhof für in Plexiglas eingegossene Verstorbene umzuwidmen, Rogner wollte ein Adventureland bauen
Und: Fotograf Markus Berger ist nicht in den Lift gestiegen, sondern hat die gut 250 Stufen lächelnd per pedes erklommen.
Karl Müllauer