Carte blanche für Peter Konlechner im Filmmuseum (ab 9. Mai): Anlässlich des 50-Jahr-Jubiläums hat das Filmmuseum seinen Mitbegründer und Co-Direktor von 1964 bis 2001 zur Gestaltung einer eigenen Retrospektive eingeladen.
hat das Filmmuseum seinen Mitbegründer und Co-Direktor von 1964 bis 2001 zur Gestaltung einer eigenen Retrospektive eingeladen. Wir präsentieren die Highlights im Überblick.
Konlechner, geboren 1936, hat eine persönliche Rückschau aus 60 Filmen erstellt, zu deren Regisseuren (u.a. Groucho Marx, Federico Fellini, Chuck Jones, Elia Kazan) ihn oft eine persönliche Beziehung verband. In diesen Filmen wird sich auch zeigen, worin sich für Konlechner „sein“ Kino und sein Lebenswerk als Vermittler am besten ausdrückt.
Die wichtigsten Filmtermine im Überblick
Angst essen Seele auf (am 9. Mai um 21:15 Uhr)
Rainer Werner Fassbinders Klassiker über Intoleranz und soziale Ausgrenzung: Putzfrau verliebt sich in Gastarbeiter, das Umfeld hat etwas dagegen. Unsentimental, aber wunderschön zeigt das Drama von 1974, dass Ablehung und Vorurteile stets in Angst begründet sind. Freier Eintritt für Fördermitglieder!
Der Leopard (11. Mai um 19 Uhr)
Italienisches Sittenbild von Regielegende Luchino Visconti. Der Adel liegt im Sterben, doch selten war die Todesahnung prachtvoller, dekadenter, schöner. 1963 erschienen, immer noch zeitlos.
Die Reise nach Tokio (15. Mai um 20:45 Uhr)
Ozu Yasujiro ist heute fast in Vergessenheit geraten, dabei hat das Werk des japanischen Regisseurs ein späteres internationales Kino entscheidend mitgeprägt. Ozu fängt Alltagssituationen präzise ein wie kaum jemand und findet stets das Besondere im Banalen. "Die Reise nach Tokio" ist das, was der Titel sagt. Einfach und erhaben.
Der diskrete Charme der Bourgeoisie (17. Mai um 19 Uhr)
Ein surreales Meisterwerk vom Dalí-Freund Luis Buñuel, wie immer obszön, grotesk und alles andere als diskret. Eine reiche Bürgerschaft schickt sich zur Essenstafel an, doch zum erlösenden Dinner kommt es nie. Die Unterbrechung als Grundprinzip, die Begierde als Sisyphos - niemand lässt die Oberschicht so vergnüglich-bösartig und brüllend komisch leiden wie der Surrealist Buñuel.
Achteinhalb (18. Mai um 20:30 Uhr)
Zurück in Italien, dem Land der Frauen: In Fellinis autobiografischem Schlüsselwerk kreist der Protagonist um die Frauenbeziehungen, die sein Leben dominiert haben und gerät dabei in einen surrealen Strudel aus Existenzangst und Sehnsuchtsfantasien. Ganz nebenbei reflektiert Fellini über die Erschaffung von Kunst und den Werksgedanken an sich. Fantastisch und inspirierend.
The Good, the Bad and the Ugly (22. Mai um 19:30 Uhr)
Clint Eastwood als Namenloser Scharfschütze zwischen Bürgerkrieg und Privatduell: Der vermutlich beste Western aller Zeiten und einer dieser Filme, die man einfach immer wieder sehen kann. Der dumme deutsche Titel "Zwei glorreiche Halunken" hat dem Erfolg von Sergio Leones launiger Schatzsuche bis heute nichts abgetan. Legendär auch die Musik des großen Ennio Morricone.
Aleksandr Nevskij (23. Mai um 19 Uhr)
Der erste Tonfilm des vielleicht einflussreichsten Regisseurs der Filmgeschichte, Sergej Eisenstein: Ein russischer Einzelgänger legt sich mit bösen deutschen Ordensrittern an und wird zum Volksheld. Stark politisch geprägt, lässt Eisenstein nie Zweifel daran, welche Seite er vertritt. Am 18. Juni folgt sein Stummfilm-Meisterwerk "Streik" (19 Uhr).
Monkey Business (29. Mai um 19 Uhr)
Die Marx Brothers auf hoher See. Unvergleichlich chaotisch, komisch, verrückt, überdreht und nach wie vor besser als jeder Fernsehklamauk. Doch Groucho Marx würde sagen: "Fernsehen bildet. Immer, wenn der Fernseher an ist, gehe ich in ein anderes Zimmer und lese."
Am 28. Mai wird zudem Konlechners Pionierarbeit vor der Zeit beim Filmmuseum mit zwei Programmen gewürdigt. Konlechner war nämlich bereits vor der Gründung des Filmmuseums ein angesehener Akteur der Wiener Filmlandschaft: Seit Herbst 1961 gestaltete er das Programm des Cinestudios der Österreichischen Hochschülerschaft an der TU Wien (wo er Nachrichtentechnik studierte) und stellte dort zahlreiche historische Filmaufführungen sowie ein Internationales Kurzfilmfestival auf die Beine.
In diesem Kontext lernte er 1962 Peter Kubelka kennen, womit auch die Zusammenarbeit der beiden begann. Insgesamt hat Konlechner bis zu seiner Pensionierung Ende 2001 vierzig Jahre Filmkultur in Österreich entscheidend mitgeprägt.